Der Außenlagerkomplex Mühldorfer Hart


Gemeinsam mit Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und Überlebenden übergab Kultusminister Bernd Sibler am 27. April 2018 die Gedenkorte „Waldlager“ und „Massengrab“ des KZ-Außenlagers Mühldorf der Öffentlichkeit.


"Im Frühjahr 1944, als längst klar war, wer den Krieg gewinnen und wer ihn verlieren würde, klammerte sich das deutsche Reichsluftfahrtministerium an das Düsenflugzeug Me 262. Es sollte das Blatt wenden. Die Nationalsozialisten begannen, im Mühldorfer Hart eine Rüstungsfabrik gigantischen Ausmaßes zu errichten. Sie war als ein 400 Meter langer Bunker mit einer Höhe von 32 und einer Sohlenbreite von 85 Metern angelegt. 400 Meter - das entspricht der Länge von vier Fußballfeldern. 8300 jüdische KZ-Häftlinge und mehr als 1700 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mussten unter Aufsicht der SS aufgeteilt in zwei Schichten rund um die Uhr arbeiten.

Was die Nationalsozialisten als Vernichtung durch Arbeit bezeichneten, sieht man am letzten Bunkerbogen, der noch steht. Die Amerikaner ließen nur diesen einen stehen, als sie die Anlage 1947 sprengten. Innerhalb von neun Monaten hatten die NS-Sklaven sieben dieser monströsen Bögen errichtet. Es gab Häftlinge, die vor Erschöpfung in den Mörtel fielen und eingemauert wurden. Die anderen Toten [mindestens 2249 Menschen] verscharrte man in einem Massengrab. Manche Männer wurden erschossen oder auf dem Prügelbock erschlagen. Nach dem Krieg ließen die Amerikaner die Leichen ausgraben und nach Mühldorf bringen. Die Mühldorfer, die von all dem in ihrem Wald nichts mitbekommen haben wollten, mussten sich die Toten ansehen."

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 23.03.2011

 Der Mühldorfer Anzeiger berichtete im Jahre 1955 über das Schicksal des Häftlings David Lapka:
"Er war in Mettenheim anfänglich mit dem Aufbau der sogenannten Finnenzelte, mit Wegebau und ähnlich "harmlosen", weil den Körper wenig strapazierenden Arbeiten beschäftigt, um plötzlich erfahren zu müssen, daß es auch im Mettenheimer Forst etwas noch schrecklicheres als die Auschwitzer Krematorien gab: die Menschenvernichtung durch Arbeit und Hunger.
Anfang 1945 wurde er dem sogenannten "Mettenheimer Zementkommando" zugeteilt, und dieses Kommando war nichts anderes als eine Methode der Vernichtung durch Arbeit.
Die Menschen dieses Kommando wogen, wenn es hoch kam, an die 130 Pfund. Diesen ausgemergelten Körpern wurden Tag um Tag, von früh bis spät, papierene Zementsäcke auf die schmalen Schultern gelastet und die mußten zügigen Schritts hundert, zweihundert, ja dreihundert Meter weit geschleppt werden.
Die Zementsäcke aber wurden in ununterbrochener Folge auf frischverlegten Eisenbahngleisen von den Güterzügen in den Mettenheimer Forst gerollt. Sobald die Rolltüren eines neuen Waggons aufgeschoben wurden, stand vor seiner Zugangsrampe eine lange Reihe von Häftlingen. Der Erste lief schnurstracks über die Rampe, nahm den Kopf vor, hob die Schultern an, ließ sich den Sack ins Genick lasten und hastete davon. Das stand schon der Zweite da. Dann der Dritte, einer nach dem anderen der schier unabreißbaren Kette. Denn sobald der Letze die Rampe passiert hatte, stand schon wieder der Erste parat. Stunde um Stunde, Tag um Tag.
Es gab nur eine Unterbrechung, die 15 Minuten Mittagspause, die hinreichen mußte, die "Bunkersuppe" zu löffeln.
Wer in dem grausigen Reigen liegen blieb, den peitschten Knüppel hoch, und nur wer für immerliegen blieb, fand die endgültige Ruhe. Die Ruhe irgendwo drinnen im Wald, wo man Ende Mai, Anfang Juni schaurige Massengräber finden sollte."

Quelle: www.geschichtswerkstatt.de/hart.html (dort findet man detaillierte Informationen über diese riesige Anlage)

Bunker im Mühldorfer Hart

Wie kommt man zu den Gedenkorten?