Häufig gestellte Fragen zum KZ Dachau:


Wie groß war das Häftlingslager?


Die Breite des Schutzhaftlagers betrug an der südlichen Begrenzung 258 und an der nördlichen 272 Meter. Längsseits erstreckte sich das Lager maximal über 585 Meter. Das gesamte Areal umfasste neunzehn Hektar und war damit erheblich kleiner als das benachbarte SS-Lager.

Quelle: H.G. Richardi, Dachauer Zeitgeschichtsführer, Göttingen 2014


Wie groß waren die Baracken?

Die 1938 errichteten Baracken waren 94,15m lang, 9,20m breit und 4,10m hoch, die Innenräume waren 3m hoch.

Quelle: H.G. Richardi, Dachauer Zeitgeschichtsführer, Göttingen 2014
 

Wie lang sind die Betten?

Im ersten Raum (1933-37) sind die rekonstruierten(!) Betten 2,20m, im zweiten Raum (ab 1938) nur noch 1,80m lang (und 80cm breit)


Wie viele Menschen waren in einer Baracke?

Die 1938 errichteten Baracken waren für 208 Menschen geplant, 1945 wurden aber bis zu 1950 Menschen (28.04.45, Block 21) in eine einzige Baracke gepfercht.


Mussten sie auf den Brettern schlafen?

In der Regel hatten die Häftlinge mit Stroh oder Holzwolle gefüllte Säcke als Matratzen. In den in den letzten Jahren oft völlig überfüllten Baracken mussten sich aber oft zwei oder drei eine Matratze teilen bzw. auf dem nackten Boden schlafen.


Warum haben die Häftlinge keinen Aufstand gemacht? Es gab doch viel mehr Häftlinge als SS.

Dafür gibt es mehrere Gründe. 
Im Unterschied zu den Häftlingen war die SS gut bewaffnet. Auf den Wachtürmen saßen rund um die Uhr mit Maschinengewehren ausgerüstete SS-Männer, die jederzeit Verstärkung aus dem anliegenden SS-Lager anfordern konnten. Ein Ausbruchsversuch hätte also zu einem Blutbad geführt.

Auch wenn es einem Teil der Häftlinge gelungen wäre, auszubrechen, wären sie ja nicht in Sicherheit gewesen. Sie waren in ihren gestreiften Uniformen sofort als Häftlinge erkennbar und leichte Opfer für die sie jagende Polizei und SS. Von der Bevölkerung konnten sie im Allgemeinen keine Unterstützung erwarten. Die allermeisten Deutschen teilten entweder die Naziideologie oder hatten Angst selbst ins KZ zu kommen, falls sie einem entflohenen Häftling helfen würden.
Außerdem hätte man einen Aufstand organisieren müssen. Das war schon deshalb schwierig, weil die Gefangenen aus sehr unterschiedlichen Gründen inhaftiert waren und nach 1938 immer mehr Menschen aus allen möglichen besetzten Ländern ins KZ kamen. Sie hatten oft wenig miteinander gemeinsam und konnten sich oft nicht einmal miteinander verständigen. Zudem gab es unter den Gefangenen auch Spitzel, die Vorbereitungen für einen Aufstand vermutlich verraten hätten.


War die Gaskammer in Betrieb? Wie viele Menschen wurden hier vergast?

Es gab in Dachau sicher keine Massenvergasungen wie z.B. in Auschwitz. Möglicherweise gab es aber Experimente mit Gas in der als „Brausebad“ getarnten Gaskammer. 

Ein Hauptverdächtiger ist der SS-Arzt Dr. Rascher. Rascher schlug 1942 in einem Brief an den Reichsführer SS, Heinrich Himmler,  vor, in der gerade entstehenden Dachauer Gaskammer Menschenversuche mit verschiedenen Kampfgasen durchzuführen. Bisher, so schrieb er, gäbe es ja nur Tierversuche und Berichte über Unfälle. (Bundesarchiv NS 21/319)
Ob er diesen Plan umgesetzt hat, ist nicht klar. Dr. Blaha, ein tschechischer Häftlingsarzt, behauptete nach der Befreiung, Rascher habe ihn beauftragt, einige offenbar  durch Giftgas getötete bzw. bewusstlose Häftlinge in der Gaskammer zu untersuchen. Allerdings standen seine späteren Aussagen im Widerspruch zu seinen früheren Angaben, so dass seine Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen wird.
Die langjährige Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Barbara Distel, kommt zu folgendem Schluss:
"Warum die Gaskammer, die vermutlich im Frühjahr 1943 fertiggestellt war, nach heutigem Wissen für Exekutionen nicht genutzt wurde, muss ebenso unbeantwortet bleiben wie die Frage, ob die Gaskammer eventuell für einzelne Tötungsaktionen verwendet wurde."

Quelle: Barbara Distel, Die Gaskammer in der "Baracke X" des Konzentrationslagers Dachau
, in: Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas, Hrsg. v. G. Morsch u. B. Perz,  Berlin 2011, S. 338-339.



Mussten die Menschen in den Gaskammern leiden? Wie lange dauerte es bis sie starben?

Die Dachauer Gaskammer war für die Verwendung von Zyklon B ausgelegt. Der tödliche Wirkstoff von Zyklon B ist Blausäure.

„Die Blausäurevergiftung ist wie die durch Kohlenmonoxid eine „innere Erstickung“. Blausäure wird nicht nur über die Atemwege, sondern auch (allerdings viel langsamer) über die Haut aufgenommen. .. Hohe Dosen erzeugen Schweißausbrüche, hervortretende Augäpfel und schwere Krämpfe. Sie verursachen außerdem häufig blutigen Schaum vor dem Mund, unwillentlichen Harnabgang und Defäkation. Schließlich tritt Bewusstlosigkeit und Koma bis zum Atemstillstand ein. 
Bei sehr hohen Dosen kann der Tod schnell eintreten. Bei den Zyklon B-Morden musste das Gift jedoch zunächst aus dem Trägermaterial austreten - was je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit unterschiedlich schnell erfolgte - und sich anschließend in der Mordkammer gleichmäßig verteilen. Tödliche Giftkonzentrationen stellten sich daher erst nach Ablauf einer unterschiedlich lang bemessenen Zeit ein. 
Zudem wurden jene Opfer, die sich weiter von den Einfüllschächten für das Gift entfernt befanden, erst später von der Giftwolke erreicht und dementsprechend langsamer vergiftet, was längere - und vielgestaltigere - körperliche Qualen bedeutete und sie den Todeskampf der anderen Opfer miterleben ließ. Für den Ablauf der Giftwirkung ist auch die körperliche Verfassung des Opfers von hoher Bedeutung. Zeugenberichte lassen darauf schließen, dass wahrscheinlich die meisten Menschen in den Gaskammern von Auschwitz innerhalb von zehn bis 15 Minuten starben. Vielfach belegt ist, dass der Vergiftungsvorgang in der Regel nach 20 Minuten durch Einschalten der Belüftungsanlage beendet wurde und dass zu diesem Zeitpunkt keines der Opfer mehr lebte.“

Quelle: Achim Trunk, Die todbringenden Gase, in: Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas, Hrsg. v. G. Morsch u. B. Perz,  Berlin 2011, S. 40-41.


Wie lange dauerte es bis eine Leiche verbrannt war?

Die "Einäscherungskapazität [des Ofens im alten Krematorium] wurde auf zwei Leichen pro Stunde geschätzt." Da der Ofen zwei Brennkammern hatte, dauerte es also etwa eine Stunde bis eine Leiche verbrannt war.
 
Quelle: J.C. Pressac, Die Krematorien von Auschwitz, München 1994, S. 8

 


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