Dachau, 22. März 1933.
Der erste Tag im Lager geht zu Ende. Es ist ein kalter Abend, knapp zwei Monate nachdem die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler die Weichen für die NS-Diktatur gestellt hat. Die neuen Häftlinge (noch in ihrer eigenen Kleidung) werden im früheren Verwaltungsbau einer aufgelassenen Pulver- und Munitionsfabrik mit Brot, Wurst und Tee verpflegt. Das Gebäude ist in den Tagen zuvor in großer Eile in ein provisorisches Lager umgewandelt worden, mit Stacheldraht abgeriegelt vom Rest des verlassenen Fabrikgeländes mit seinen verfallenden Bauten, zerborstenen Betonfundamenten und verwahrlosten Straßen. Im Ganzen gibt es nicht mehr als 100 bis 120 politische Häftlinge, hauptsächlich Kommunisten aus dem nahen München. Nach ihrer Ankunft in offenen Lastwagen verkündete das Wachpersonal – etwa 54 Mann stark –, die Gefangenen würden in »Schutzhaft« genommen, ein vielen Deutschen unbekannter Begriff. Was immer das war, es schien erträglich: Die Wachen waren keine nationalsozialistischen Milizen, sondern gemütliche Polizisten, die mit den Gefangenen plauderten, Zigaretten verteilten und sogar im gleichen Gebäude schliefen. Am nächsten Tag schrieb der Häftling Erwin Kahn seiner Frau in einem langen Brief, dass in Dachau alles in Ordnung sei; das Essen sei gut, die Behandlung auch. "Ich bin nur neugierig,wie lange die Sache noch dauert."
Einige Wochen später war Kahn tot, ermordet, nachdem SS-Männer das Häftlingslager übernommen hatten. Er war einer der ersten von fast 40000* Dachauer Gefangenen, die zwischen dem Frühjahr 1933 und dem Frühjahr 1945 ihr Leben verloren.
* Die Zahl der Toten in Dachau schließt die etwa 2500 Überlebenden, die in den ersten drei Monaten nach der Befreiung starben, nicht mit ein.
Nikolaus Wachsmann, KL. Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bonn 2016, S. 10f.

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