Übersicht
 

A     Inhalt

B     Leseprobe

C     Einsatz des Buches

D     Vorschläge für die Besprechung

 

 

A  Inhalt


Wie entsteht Faschismus? Wie kam es zum Holocaust Ein junger Lehrer entschließt sich zu einem ungewöhnlichen Experiment in seiner Klasse. Er möchte seinen Schülern beweisen, dass Anfälligkeit für faschistoides Handeln und Denken immer noch und überall latent vorhanden ist. Doch die „Bewegung'; die er auslöst, droht ihn und sein Vorhaben sehr schnell zu überrollen. Ein spannender Roman, der auf einem Vorfall an der High School von Palo Alto, 1969, basiert, und fürs Fernsehen verfilmt wurde. (Klappentext)
In "Die Welle" beginnt alles mit einem Film über den Holocaust. Der junge Lehrer Ben Ross zeigt den Schülern der Gordon High School Bilder von ausgemergelten Juden im Konzentrationslager. Alle sind angewidert und entsetzt, aber eine Gruppe um Laurie Saunders von der Schülerzeitung "Die Ente" kann und will nicht glauben, dass Menschen zu derlei Grausamkeiten überhaupt fähig sind. Um sie und andere zu überzeugen, startet Ross ein Experiment, das auf fast unbemerkte Art und Weise Methoden der Diktatur installiert. Und plötzlich zerfällt der Klassenverbund in Opfer und Täter -- bis die Situation auf schreckliche Weise eskaliert. (www.amazon.de)


 

 

B  Leseprobe

 

»Laurie, kannst du nicht ein bisschen warten?« fragte er. »Ich muss mit dir reden. Es ist wirklich wichtig!« Laurie ging langsamer und sah an ihm vorbei. »Schon in Ordnung, es kommt niemand«, versicherte David.

Sie blieb stehen, und David bemerkte, dass sie schwer atmete und ihre Bücher krampfhaft festhielt.

»Weißt du, David«, sagte sie, »ich bin gar nicht mehr daran gewöhnt, dich allein zu sehen. Wo sind denn deine Truppen?«

David wusste, dass er ihre feindseligen Bemerkungen überhören und versuchen musste, vernünftig mit ihr zu reden. »Hör zu, Laurie, willst du mir nicht einfach einmal eine Minute zuhören?«

Aber daran schien Laurie nicht interessiert zu sein. »David, wir haben uns kürzlich alles gesagt, was wir einander zu sagen hatten. Ich möchte das alles nicht noch einmal durchkauen. Lass mich bitte in Ruhe!«

Gegen seinen Willen spürte David Ärger in sich aufstei­gen. Nicht einmal anhören wollte sie ihn! »Laurie, du musst aufhören, gegen die Welle zu schreiben. Du rufst damit nur alle möglichen Probleme hervor.«

»Die Probleme schafft die Welle, David!«

»Nein, das stimmt nicht!« behauptete David. »Schau mal, Laurie, wir möchten dich gern auf unserer Seite ha­ben, nicht gegen uns.«

Laune schüttelte den Kopf. »Auf mich kannst du nicht rechnen. Ich habe dir gesagt, dass ich ausscheide. Das ist kein Spiel mehr. Es ist jemand zusammengeschlagen worden.«

Sie ging weiter, aber David blieb neben ihr. »Das war ein unglücklicher Zufall«, erklärte er ihr. »Ein paar Burschen haben einfach die Welle als Vorwand dafür benutzt, diesen armen Kerl zusammenzuschlagen. Siehst du das nicht ein? Die Welle ist wirklich gut für alle. Warum be­greifst du das denn nicht? Es könnte ein ganz neues System daraus entstehen, und wir werden es in Gang bringen.« »Aber nicht mit mir!«

David wusste, dass sie ihm davonlaufen würde, wenn er sie nicht festhielt. Es war einfach unfair, dass ein einziger Mensch eine Sache für alle anderen verderben konnte. Er musste sie überzeugen. Er musste! Und dann packte er ihren Arm.

»Lass mich los!« Laurie wollte sich von ihm befreien, doch David hielt sie fest.

»Laurie, du musst damit aufhören!« sagte er.

»David, lass meinen Arm los!«

»Schreib diese Artikel nicht mehr! Verdirb den anderen die Welle nicht!«

Aber Laurie leistete weiter Widerstand. »Ich werde schreiben und sagen, was ich will, und du kannst mich daran nicht hindern.«

Von seinem Zorn überwältigt, packte David auch ihren anderen Arm. Warum musste sie nur so störrisch sein? Warum erkannte sie nicht, wie gut diese Welle sein konnte? »Wir können dich daran hindern, und das werden wir auch tun!«

Aber Laune gab sich nur größere Mühe, sich aus seinem Griff zu befreien. »Ich hasse dich!« schrie sie. »Ich hasse die Welle! Ich hasse euch alle!«

Die Worte trafen David wie ein Schlag ins Gesicht. Un­beherrscht schrie er sie an: »Halt's Maul!« und warf sie zu Boden. Ihre Bücher waren um sie verstreut. Erschrocken erkannte David, was er getan hatte. Und er war voller Furcht, als er niederkniete und die Arme um sie legte. »Laurie, ist alles in Ordnung?«

(S. 114-115)

 

C  Einsatz des Buches
 

Das Buch kann in den Jahrgangsstufen 8 –  10 eingesetzt werden.
 

 

D  Vorschläge für die Besprechung
 

Die Auseinandersetzung mit dem Buch „Die Welle“ sollte bei den Schülern auf bereits vorhandene Kenntnisse aus der Geschichte des dritten Reiches aufbauen und zur Aufdeckung von Gefahren, die immer noch von faschistischem Gedankengut beitragen.

Im Rahmen eines Projekts könnte diese Auseinandersetzung fächerübergreifend über ein halbes oder ein ganzes Schuljahr entwickelt werden.

In der ersten Phase des Projekts sollten die Schüler den Roman lesen, entweder ganz oder Kapitelweise, wobei die Schüler jeweils ein Kapitel als Kurzreferat vorstellen. Zur Unterstützung könnte vielleicht auch die Verfilmung des Romans genutzt werden.

Die zweite Phase des Projektes beinhaltet die Umsetzung der Bühnenadaption des Romans durch die Schüler. Als Projektprodukte wären beispielsweise die photographische und textliche Dokumentation der Probenarbeit, die Gestaltung eines Programmheftes, sowie die Aufführung vor Publikum und/oder die Aufzeichnung der Inszenierung auf Video denkbar. Für die Inszenierung könnte ein stilisiertes Klassenzimmer auf der Bühne oder auch ein reales Klassenzimmer gewählt werden, was das Geschehen noch näher an das Publikum führen würde. Diese Art der Auseinandersetzung mit dem Text wäre aus unterrichtlicher Sicht deshalb günstig, weil die Schüler sich zum einen intensiv mit den Charakteren ihrer Rolle (z.B. dem Außenseiter Robert oder der kritischen Laurie) auseinandersetzen können und zum anderen über das Spiel einen direkten Zugang  zu den Umständen bekommen, die zu einer faschistischen Bewegung führen. Dabei können sich die Schüler anders als bei irgendwelchen fragwürdigen Planspielen und Experimenten, zwar dem Geschehen nähern, aber aus der Schauspielerperspektive immer eine kritische Distanz wahren und das Geschehen reflektieren.


Florian Prantl