IM SCHATTEN DER MAUER

Ein Roman um Janusz Korczak

Aus dem Englischen von Ulla Neckenauer
Deutsche Erstausgabe Ueberreuter Verlag, Wien 1990
Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994 (dtv 78066),
176 S
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Übersicht

A  Inhalt

B  Einsatz des Buches

C  Vorschläge für die Besprechung

 

A   Inhalt

Der jüdische Junge Misha erzählt von seiner Begegnung mit Janusz Korczak. Der Pädagoge, Arzt und Dichter Janusz Korczak und seine Mitarbeiterinnen betreuten zweihundert jüdische Waisenkinder im Warschauer-Ghetto und begleiteten sie in das Vernichtungslager Treblinka, obwohl die Nazis Janusz Korczak die Freiheit angeboten hatten.

Der 14jährige Misha lebt nach dem Tod des Vaters mit seinen beiden jüngeren Schwestern im Waisenhaus von Janusz Korczak. Als die deutsche Besatzung die Umsiedlung des Waisenhauses in das Ghetto von Warschau anordnet, erlebt Misha dort den Hunger, die Seuchen und die Aktionen der Nazis, die täglich Juden zusammentreiben und nach Auschwitz oder Treblinka deportieren. Misha erlebt aber auch, wie sehr Janusz Korczak für seine Kinder kämpft, Lebensmittel erbettelt und sich bemüht, ihnen Heim und Eltern zu ersetzen. Er und seine Mitarbeiterinnen sorgen für geistige Ermutigung, sinnvolle Beschäftigung und ein möglichst gerechtes und freundliches Miteinander. Sie setzen damit der Gewalt und der Vernichtung ein Zeichen der Menschlichkeit entgegen.

Am 5. August 1942 müssen die 200 Kinder zur Sammelstelle gehen. Die Nazis bieten Dr. Korczak an, ihn zu "schonen". "Ich lasse in dieser Situation die Kinder nicht im Stich". Misha hat sich einer Widerstandsgruppe angeschlossen und beobachtet aus einem Versteck, wie die Kinder gemeinsam mit Janucz Korczak das Waisenhaus verlassen. Misha sieht seine Schwester Rachel nur einen Augenblick, dann versperrt ihm ein Wachtposten die Sicht.

Wann Janucz Korczak, die Mitarbeiterinnen und die Kinder getötet wurden, weiß man nicht genau. An dem Tag, als sie nach Treblinka kamen, wurden dort etwa zehntausend Menschen ermordet.

Im Anhang befinden sich Worterklärungen und ein historischer Rückblick.

Die Geschichte wird aus der Perspektive des 14jährigen Misha erzählt. Die jugendliche Figur ist fiktiv, das Engagement Dr. Korczaks ist vielfach dokumentiert. In einer Mischung aus Fakten und Fiktion schildert die Autorin das Mitgefühl, den Mut und die Kraft eines Menschen, der versuchte, das unvorstellbare Leid jüdischer Kinder, denen der Tod bevorstand, zu mildern.
 

B   Einsatz des Buches

Der Roman von Christa Laird beschreibt in einfühlsamer, fast poetischer Weise die Welt des Janusz Korczak und seine Beziehung zu den Kindern des Waisenhauses. Die Autorin verzichtet auf spektakuläre Beschreibungen von Grausamkeiten der SS und zeigt stattdessen, wie sich die Lebensbedingungen im Getto immer mehr verschlimmern.

Das Buch eignet sich weniger, um geschichtliche Aspekte des Nationalsozialismus damit zu verdeutlichen; für den Unterricht über den Holocaust ist es damit wohl weniger geeignet. Denkbar wäre der Einsatz (oder einiger Ausschnitte) eher im Rahmen des Religions- oder Erziehungskundeunterrichts oder als begleitende und vertiefende Lektüre für interessierte Schüler.

Die Sprache ist erzählend und eher anspruchsvoll; auch der Umfang des Textes ist recht groß. Als Lesealter empfiehlt sich daher eine Begegnung ab etwa 14 Jahren. Für Schüler mit Lernbeeinträchtigungen ist das Buch im Hinblick auf Sprache und Umfang (174 Seiten) als Lektüre wohl nicht zu empfehlen; möglich erscheint es allerdings, die Geschichte von Misha, seiner Schwester Rachel und den anderen Kindern zusammenfassend zu erzählen und einzelne Stellen vorzulesen.
 

 

C    Vorschläge für die Besprechung

Auf ausführliche Vorschläge für die unterrichtliche Besprechung wird aus den unter C genannten Gründen verzichtet.

Interessant wäre ein Vergleich mit anderen Jugendbüchern, die sich mit Leben und Wirken Janusz Korczaks beschäftigen:

-  Karlijn Stoffels: Mojsche und Rejsele. Roman. Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler. Beltz und Gelberg Verlag, Gulliver Taschenbuch 846, Weilheim und Basel 2000, 199 Seiten

-  Monika Pelz: „Nicht mich will ich retten!“ Die Lebensgeschichte des Janusz Korczak. Beltz und Gelberg Taschenbuch 902, Weilheim und Basel, 2003, 192 Seiten

 

Ulrich Reuter