Junge Slowenen

Bogdan Borçiç

Im August 1944, mit 17 Jahren, wurde Bogdan Borçiç in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort erlebte er die chaotischen Monate bis zur Befreiung am 29. April 1945. Bereits vor dem Krieg hatte er begonnen, zu zeichnen. Während seiner Inhaftierung setzte er seine künstlerische Tätigkeit fort. Nach dem Krieg wurde er zu einem der anerkanntesten Maler Sloweniens.

Am 26. September 1926 wurde Bogdan Borçiç in Ljubljana geboren. Seine Eltern - die Mutter Slowenin, der Vater Kroate - besaßen dort eine Apotheke. Bogdan Borçiçs Mutter erkannte bald das künstlerische Talent ihres Sohnes. Er wurde auch zum Studium an verschiedene private Kunstschulen geschickt.

Als im Jahr 1941 die deutsche Wehrmacht seine Heimat besetzte, schloss sich der 15-jährige Bogdan einer Widerstandsgruppe an. Deren Hauptaufgabe war die Herstellung von illegalen Flugblättern gegen die Besatzer. Bogdan Borçiç steuerte zahlreiche Illustrationen bei. In seiner Wohnung wurden die Blätter auf einer Handpresse gedruckt. Die Gruppe wurde schließlich von Kollaborateuren verraten, Borçiç kam in Jugendarrest. Hier begann er Porträts von seinen Mithäftlingen anzufertigen, bis er im August 1944 mit anderen Gefangenen nach Dachau deportiert wurde. Am 10. August traf er im KZ Dachau ein und wurde nach dem Aufenthalt im Quarantäneblock in das Revier verlegt, wo er am Blinddarm operiert wurde. Danach wurde er in verschiedene Arbeitskommandos eingeteilt. Wieder begann er künstlerisch zu arbeiten. In einem Brief an die Mutter schrieb er: "Jeden Tag finde ich ein bisschen Zeit zu zeichnen und habe nur eine große Sehnsucht meine Staffel widerbrauchen."

Er musste heimlich zeichnen - denn jegliche künstlerische Betätigung war streng verboten. Mit einem Mitgefangenen stellte er sogar die illegale, handgeschriebene slowenische Lagerzeitung "Radszvit" her. Die Zeitung wurde an andere Häftlinge weitergegeben, immer unter der Gefahr der Entdeckung.

Als Bogdan Borçiç eines Tages aus dem Magazin Seide schmuggelte und dabei versuchte, dem Rapportführer aus dem Weg zu gehen, wird er wegen Missachtung mit Haft im Stehbunker bestraft. Auf der Fläche von 70 mal 70 Zentimeter konnte sich der Gefangene weder hinsetzen noch hinlegen. Die ununterbrochene Haft in diesen Zellen war für eine Dauer von bis zu 72 Stunden gedacht ( längere Haftzeiten sind bekannt), Luft- und Lichtmangel verschärften die Strafe.

Die letzten Monate des KZ Dachau waren von Überbelegung, Krankheit und Tod geprägt. Evakuierungstransporte brachten immer mehr entkräftete Häftlinge aus anderen Lagern nach Dachau, im November 1944 brach eine Typhusepidemie aus. Bogdan Borçiç schrieb seiner Mutter zu Beginn des Jahres 1945: "Meine liebe Mutti, wohl waren diese Feiertage und dieser Eintritt ins Neue Jahr traurig, aber sei überzeugt, das Ende wird viel glücklicher sein. Jedem Winter folgt ein Frühling."

Am 29. April 1945 wurde Borçiç von amerikanischen Einheiten in Dachau befreit, er begann sofort wieder zu zeichnen. Seine Bilder zeigten nun vor allem die Lagerumgebung. Nach seiner Rückkehr nach Ljubljana studierte er an der Akademie der Bildenden Künste, nahm verschiedene Lehraufträge an und etablierte sich als Maler. Bis ins Jahr 2004 widmete er dem Thema KZ und seiner Verfolgung nur wenige Werke. Erst als die KZ-Gedenkstätte eine Ausstellung seiner Bilder plante, begann er wieder zu diesem Thema zu arbeiten. Im Jahr 2004 wurden seine Werke in Dachau ausgestellt. SZ

Dachauer SZ, 1.10.2005

Anton Jez, geb. 1925

Anton Jez schloss sich 1941 als Schüler einer nationalen Befreiungsbewegung an, die zunächst gegen die italienische und später die deutsche Besatzung Sloweniens kämpfte. Im Februar 1944 wurde er von einheimischer Polizei verhaftet und nach zwei Monaten Haft den
Deutschen übergeben. Diese deportierten ihn im April 1944 nach Dachau. Er musste in den Außenlagern Neuaubing, Germering und Überlingen Zwangsarbeit leisten. Nach der Befreiung kehrte Anton Jez nach Ljubljana zurück. Er setzte sich dafür ein, dass die Geschehnisse beim Bau des Goldbacher Stollens nicht vergessen werden.

Konzentrationslager Dachau 1933 bis 1945. Text und Bilddokumente zur Ausstellung


"Der Stollen war gleichzeitig unser Unglück und auch unser Glück. Unser Unglück, weil wir unter schwersten Bedingungen, ohne Sicherheitsvorkehrungen arbeiteten. Ständige Deckenabbrüche hatten schwere Verletzungen und auch tote Opfer an Ort und Stelle zur Folge … Das Glück, unser Glück war, dass wir den Winter vor allem unter der Erdoberfläche verbrachten. Dies war die Rettung für viele von uns leicht gekleideten und unterernährten Menschen."

Häftlingsbericht von Anton Jez (1944/45 im KZ Dachau) über die Arbeit im Außenlager Überlingen,
Anton Jez: Der Stollen war unser Unglück und unser Glück. Erinnerungen an das KZ-Außenkommando Überlingen/Aufkirch, in: Dachauer Hefte 15 (1999) S. 46-53.

Als 18-jähriger Schüler war der Slowene Anton Jez im Februar 1944 verhaftet worden, weil er als Mitglied einer Befreiungsorganisation gegen die deutsche Besatzung kämpfte. Nach zunächst vier Wochen Quarantäne im Konzentrationslager Dachau kam er zusammen mit 55 weiteren Slowenen im Mai 1944 in das Außenlager Neuaubing/Germering. Dort war Anton Jez für die Dornier Werke München mit dem Ausbau von Splittergräben und einem unterirdischen Luftschutzbunker sowie bei der Beseitigung von Trümmern nach Luftangriffen eingesetzt worden. Die Arbeit in München war im September 1944 beendet und die Häftlinge kamen in ein neues Arbeitskommando nach Aufkirch/Überlingen. Zusammen mit 300 Häftlingen aus Germering und weiteren 300 Russen wurde nun unter großem Arbeitsdruck ein Stollen für die Friedrichshafener Industrie in den Berg getrieben. Von den geplanten 100.000 qm waren bei Kriegsende 12.000 qm fertig gestellt. Eine Produktion konnte im Stollen nicht mehr aufgenommen werden. Die Häftlinge wurden Ende April 1945 in das Konzentrationslager nach Allach/Dachau transportiert und bei Kriegsende von der US-Armee befreit.
Anton Jez kehrte in seine Heimatstadt Ljubljana zurück, wo er als pensionierter Diplom Ingenieur mit seiner Familie noch heute lebt. Seit vielen Jahren setzt sich Anton Jez als Redner, Publizist, als Zeitzeuge auch in Schulklassen dafür ein, dass die Geschehnisse insbesondere beim Bau des Goldbacher Stollens nicht in Vergessenheit geraten. Rückblickend stellt sich Anton Jez dabei immer wieder die Frage, warum es im KZ Neuaubing keine Diskriminierung und Erniedrigung durch das Lagerpersonal gegeben hat und im Vergleich dazu im KZ Aufkirch/Überlingen ein Inferno an unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen herrschte, bei dem fast die Hälfte der Lagerbesatzung von 800 Mann umkam.

http://www.dorniermuseum.de/de/museum/presse/bundesverdienstkreuz.php

siehe auch: Außenkommandos des KZ Dachau am Bodensee


Lojze Krakar (1926–1995)

Der Slowene Lojze Krakar wurde im März 1943 als 17-jähriger Schüler verhaftete. Aus italienischer Internierung kam er als „Politischer“ im Oktober 1943 in das KZ Dachau, von wo er kurze Zeit später in das KZ Buchenwald überstellt wurde. Nach der Befreiung kehrte er nach Slowenien zurück.

 

Konzentrationslager Dachau 1933 bis 1945. Text und Bilddokumente zur Ausstellung


Stane Sinkovec

Stane Sinkovec wurde am 15.9.1923 in Kranj, Slowenien geboren. Nach dem Kriegsbeginn in Jugoslawien 1941 schloss er sich der slowenischen Befreiungsfront an, wurde aber 1942 von der Gestapo festgenommen und in das KZ Dachau überstellt. Dort musste Sinkovec sich den medizinischen Versuchen des Dr. Schilling unterziehen und bekam Malaria sowie andere Krankheiten. Nach der Befreiung kehrte er nach Slowenien zurück und absolvierte ein Studium an der Technischen Fakultät in Ljubljana. Er verstarb am 14.06.2009.

Zeitzeugen-Porträts zum Thema "KZ-Dachau"
(Videoaufnahme des Hauses der Bayerischen Geschichte)