Junge Russen, Ukrainer und Weißrussen

Shved Ivan Arsentyeuyth aus Khmelnitskyi in der Ukraine steht am 60. Jahrestag der Befreiung im ehemaligen Konzentrationslager Dachau an einem Ofen im Krematorium.
Von seinem 14. bis zum 17. Lebensjahr arbeitete er im Krematorium.

NTV, 1.05.2005


Pjotr Alekssenjenko kam mit 15 Jahren nach Dachau

Ein einziges Wort sagt er auf Deutsch: die Ziffernfolge "32 122" - ohne Stocken, ohne überlegen. Fast vier Jahre lang hörte er auf diese Nummer. Pjotr Ipatjewitsch Alekssenjenko war 15 Jahre alt, als er seinen Namen verlor und Häftling im Konzentrationslager Dachau wurde. Heute ist er 84 Jahre alt. Für eine Woche verließ er seine Heimatstadt in Weißrussland, um noch einmal in unmittelbarer Nähe des Ortes zu wohnen, an dem er unmenschliche Qualen erlitten hat. Er kam zurück, damit junge Deutsche die Geschichte nicht vergessen. In der Seidlvilla in Schwabing erzählte er von seinem Schicksal.

Er war fast noch ein Kind, als ihn die Deutschen aus seinem Heimatdorf verschleppten und in einen Viehwaggon steckten. Alekssenjenkos Kindheit war vorbei, als der Zug in Ulm stoppte: Er wurde Zwangsarbeiter in einem Eisenbahnausbesserungswerk in Württemberg. Durch ein Toilettenfenster gelang ihm die Flucht, doch nach nur zwei Tagen griffen ihn Polizisten wieder auf. "Man hat uns den anderen Ostarbeitern vorgeführt und gesagt: ,Die haben versucht zu fliehen. Jetzt werden sie erschossen. Euch geht's genauso, wenn ihr's versucht'", erinnert sich Alekssenjenko. Doch seine Strafe lautete nicht Tod, sondern Dachau.

Im Konzentrationslager geriet er in die Hände des KZ-Arztes Sigmund Rascher. Der Arzt missbrauchte den damals 15-Jährigen für seine pseudo-medizinischen Experimente. Im Auftrag Heinrich Himmlers sollte Rascher testen, wie der menschliche Körper auf Unterkühlung reagiert. Sie legten Alekssenjenko in ein Becken mit eiskaltem Wasser, bis seine Körpertemperatur auf weniger als 28 Grad heruntergekühlt war. Dann zogen ihn die Wärter wieder heraus und hüllten ihn in eine Decke. Plötzlich zogen sie die Decke weg. "Da stand eine nackte Frau. Sie wollten mich erregen, damit sich mein Körper wieder erwärmt", erinnert sich Alekssenjenko. Die Frau war eine Prostituierte aus dem Lagerbordell.

Nach drei Tagen auf der Krankenstation verlegten ihn die Wärter auf die Arbeitsstation: wieder Zwangsarbeit, diesmal in einer Schreinerei. Die Werkstatt stand neben dem Krematorium. Alekssenjenko baute Möbel für die Lager der deutschen Soldaten, während nebenan die Leichen zu Asche wurden. "Wenn der Wind aus Richtung der vier öfen wehte, konnte man kaum atmen, berichtet er. Heute ist von der Werkstatt nur noch ein Erdwall übrig, in dem sich die überreste verschiedener KZ-Gebäude türmen; das Krematorium steht noch.

Alekssenjenko war gerade erst 19, als die US-Soldaten 1945 das Lager befreiten. Die Amerikaner schickten an Alekssenjenkos Vater eine Postkarte mit den Worten: "Ich lebe und ich komme bald zurück." Der Vater rannte mit der Karte durchs ganze Dorf, ungläubig darüber, seinen totgeglaubten Sohn bald wiederzusehen. Doch als Alekssenjenko Monate später wirklich in Weißrussland ankam, erwartete ihn nicht das Leben, das er sich erhofft hatte. Er wollte eine Lehre machen, doch die wurde ihm verweigert. "Du hast für die Deutschen gearbeitet", warfen ihm seine Landsleute vor. Es dauerte weitere 45 Jahre, bis der weißrussische Staat sein Leid anerkannte. Erst mit dem Ende der Sowjetunion erhielten die Zwangsarbeiter aus Osteuropa den Status von Kriegsopfern.

Nachdem Alekssenjenko seine Lebensgeschichte erzählt hat, ist die Stimmung im Saal der Seidlvilla gedrückt. Der Applaus für den Zeitzeugen ist langanhaltend, voller Bewunderung für seine Durchhaltekraft und für den Mut, über seine Erlebnisse zu sprechen. Alekssenjenko blickt gerührt zu Boden, er greift sich ans Herz. 2005 kam er schon einmal zurück nach Dachau. Nein, sagt er, negative Gefühle gegenüber den Deutschen habe er nicht. Am heutigen Freitag kehrt er nach Weißrussland heim. Wenn es sein Gesundheitszustand erlaubt, möchte der 84-Jährige aber bald wiederkommen.

Süddeutsche Zeitung, 8.05.2009


Nikolai Choprenko, heute Nick Hope

Nick Hope wurde 1925 als ältestes von sechs Kindern im ukrainischen Petrowka als Nikolai Choprenko geboren. Unter dem Stalin-Regime musste er miterleben, wie durch die Massenhungersnot in der Ukraine 1933/34 seine beiden jüngsten Geschwister starben. Während der deutschen Besatzung deportierte ihn die SS als Zwangsarbeiter in eine deutsche Munitionsfabrik, wo Nick Hope nach einer Explosion Sabotage unterstellt wurde. Daraufhin wurde er im Februar 1943 in das KZ-Außenlager Dachau-Allach überstellt. Hier vermietete die SS die Häftlinge an BMW. Die Gefangenen mussten in 12-Stunden-Schichten Flugzeugmotoren bauen, wobei der Arbeitsalltag durch ständigen Hunger und Misshandlungen, auch durch Betriebsangehörige, bestimmt war. Das Außenlager Dachau-Allach und das OT-Lager Allach-Karlsfeld bildeten einen riesigen Lagerkomplex mit insgesamt 9.300 Häftlingen. Am Abend des 26. April 1945 begann die SS 6.887 Gefangene in Marschkolonen aus dem Dachauer Hauptlager zu treiben. Bereits einige Stunden zuvor hatte die SS rund 2.000 Häftlinge aus dem Außenlager Dachau-Allach Richtung Süden in Marsch gesetzt, darunter auch Nick Hope. Die Essensrationen waren minimal, hinzu kam die winterliche Witterung mit Regen und Schnee. Gefangene, die zusammenbrachen oder nicht Schritt hielten, erschoss oder erschlug die SS. Die letzten Überlebenden des Dachauer Todesmarsches befreite die US-Armee erst am 2. Mai in Waakirchen. Nick Hope wog nur noch 40 Kilogramm bei seiner Befreiung. Nach der langwierigen Genesung arbeitete er ab 1951 als Lagerist im Alabama-Depot der 7. US-Armee in München. Dort heiratete er. 1961 emigrierte das Paar in die USA, Nadya und Nick Hope haben drei Kinder.

Video: http://www.liberation-dachau.de/#hope
Demidenko

Wladimir Demidenko (geb. 1925)

Wladimir Demidenko wurde im Mai 1942 aus der Ukraine zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Weil er von seinem Arbeitsplatz flüchtete, kam er zunächst ins KZ Stutthof. Im November 1942 wurde er ins KZ Dachau eingeliefert. In einem Arbeitskommando musste er in der Stadt Dachau Luftschutzbunker bauen. 1945 wurde er auf einem Evakuierungsmarsch von den Amerikanern befreit.

KZ-Gedenkstätte Dachau


Nikolaj Jatschenko

Nikolaj Jatschenko wurde 1925 in der Ukraine geboren, von den Nationalsozialisten verschleppt und wie viele andere Menschen gezwungen, für sie zu arbeiten. 1942 wurde er in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Damals war er 17 Jahre alt. Jatschenko hat die Grauen des KZs überlebt, weil meist ältere Häftlinge sich um ihn gekümmert haben, und er bekam die leichteste Arbeit zugeteilt, die das Lager überhaupt anzubieten hatte: das Essenholen. Außerdem haben ihm diese hilfsbereiten Männer das beigebracht, was sie selber konnten und wussten - der eine das Schachspielen, der nächste Musik, ein anderer Literatur und sein Lieblingsfach: Geographie. Trotz solch positiver Erfahrungen war der Lageralltag in Dachau jedoch meistens von Mangel geprägt, demütigend und lebensgefährlich. Eine Zeitlang wurde Jatschenko von einem Dr. Rascher für "medizinische Experimente" missbraucht, er musste schwere Arbeit in Kottern, einem Außenlager Dachaus, verrichten und überlebte aus purem Zufall einen Fluchtversuch, für den er normalerweise zum Tode verurteilt worden wäre. Weil Jatschenko 1945 an Flecktyphus erkrankt war, wurde er nicht wie viele andere Häftlinge evakuiert und erlebte so die Befreiung des Lagers durch die Amerikaner. Peter Kujath und Ingrid Leitner haben diese Sendung "Es darf sich nicht wiederholen!" nach Nikolaj Jatschenkos handgeschriebenem Erlebnisbericht, der in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau aufbewahrt wird, zusammengestellt. Es gelang ihnen nicht herauszufinden, ob Nikolaj Jatschenko noch lebt.

Bayern2 Radio, Samstag 27.01.2001 8.30 Uhr


Pawel Kasej (*1926)

SS-Ärzte infizierten Pawel Kasej mit Malaria Pawel Kasej wurde am 20. März 1926 in Stankawa, Weißrussland, geboren. Der heute 89-Jährige wuchs als Sohn einer Bauernfamilie auf. Er wurde als politischer Häftling nach Dachau, später weiter in ein KZ-Außenlager bei Augsburg zur Zwangsarbeit, gebracht. Auf einem Todesmarsch kurz vor Kriegsende entkam er seinen Bewachern und flüchtete in den bereits von amerikanischen Truppen befreiten Teil Augsburgs.
Im Sommer 1942 besuchte ich meinen Großvater in Stankawa, das ist 35 Kilometer von Minsk entfernt, wo ich damals mit meinen Eltern wohnte. Dort formierten sich zu dieser Zeit Partisanenverbände, die wohl mit Minsk in Verbindung standen. Wegen meines Wohnorts nahm die deutsche Polizei an, ich sei eine Art Verbindungsmann. Deshalb wurde ich verhaftet und in einen Waggon gesteckt. Nach einer Woche in einem verschlossenen Waggon kam ich in Dachau an. Sie teilten mich ich in die Versuchsbaracke ein, zusammen mit vielleicht 150 anderen, alle waren so jung wie ich: 15, 16 Jahre alt. Der Tropenmediziner Claus Schilling leitete die Malariastation. Ich musste meine Hand in ein rundes Glas voller Anopheles-Mücken stecken. Ungefähr fünf Tage später bekam ich einen Schüttelfrost-Anfall: Ich war infiziert. Außerdem war ich sehr mager und schwach. Zwei, drei Monate lang war es sehr schlimm. Sie erprobten Medikamente an uns. Wissen Sie, bei Tierversuchen geht es ja nicht um das Wohlergehen der Tiere, sondern um den Erfolg des Experiments. Genauso war es: Wir waren die Tiere, waren egal, wichtig war den Nazis nur die Erforschung der Medikamente. Als ich nach dem Krieg zurück in meine Heimat kam, war ich fast wieder gesund. So wie meine gesamte Familie, alle hatten überlebt – wir hatten viel Glück.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 30.04./01.05.2015


Viktor Kononenko (* 1927)

Der aus der Sowjetunion stammende Viktor Kononenko war am 15. September 1943 in das KZ Dachau eingeliefert worden. Weil er Wurstreste aus der Küche mitnahm, wurde er vom 25. Dezember 1943 bis zum 6. Februar 1944 im Bunker eingesperrt.
Später kam Kononenko in Außenlager in Augsburg und Lauingen, wo er für die Messerschmitt-Werke arbeitete.
Er lebt heute in Slavjansk/Ukraine.

PC-Station im Bunker der KZ-Gedenkstätte Dachau


Aleksandr Kulinitsch kämpfte gegen die Wehrmacht

Aleksandr Kulinitsch wuchs bei seinem Vater in der ukrainischen Stadt Uman auf. Um seine Erziehung kümmerte sich Aleksandrs acht Jahre ältere Halbschwester. Der rüstige 88-Jährige ist immer noch als Professor an der Universität Kiew tätig.

1941 war mein Vater in einer Militärstation tätig. An den Wochenenden lief ich immer die 15 Kilometer in den Wald, um ihn zu besuchen. An einem Samstagvormittag kam er mit ausgebreiteten Armen auf mich zu und brüllte: „Krieg!“ Am Abend waren viele Flugzeuge am Himmel. Eines flog so tief, dass ich den Piloten im Cockpit sah, als er eine Bombe über mir abwarf. Die nächsten Tage hörten wir von beiden Seiten ununterbrochen Geschützfeuer: im Westen die Faschisten, im Osten die Sowjets. Besonders umkämpft war der strategisch wichtige Rangierbahnhof. Schließlich gelang es den Faschisten, die Sowjets einzukesseln. 47 000 Soldaten wurden gefangen genommen, darunter auch mein Vater. Zum Glück konnte er fliehen.

Mit meinen Kumpeln, ich war 15, stieß ich zu den Partisanen. Wir klauten Granaten, Pistolen und sprengten die Toiletten der Deutschen in die Luft. Wir taten es nicht aus Hass, wollten niemanden töten, aber wir wollten etwas unternehmen und uns wehren. Im März 1942 hängten die Besatzer Zettel aus. Sie suchten Leute für Arbeitsdienste. Es gab nur ganz wenige, die sich freiwillig meldeten. Ich wurde von zwei Polizisten im Hof abgefangen und in den Waggon eines Güterzugs gesteckt. Es gab darin nur Stroh und ein Loch. Etwa 30 Leute waren hineingepfercht. Wir fuhren tagelang und wussten nicht wohin, wir sahen auch nicht, ob es Tag oder Nacht war.

Nach unserer Ankunft in München wurden wir untersucht und in Gruppen eingeteilt, die Kräftigsten zuerst. Ich war der Jüngste und Kleinste und blieb in der letzten Gruppe mit meinem Freund Wolodja. Mit dem Lkw wurden wir nach Freising gebracht, wo wir Reparaturarbeiten in einem Bahngebäude erledigen mussten. Mitte Mai lief ich mit Wolodja weg. Bald darauf wurden wir festgenommen und ins KZ Dachau gebracht, dann ins Außenlager Gendorf. Dort gelang es mir, wieder zu fliehen. Ich rannte durch den Wald, man schoss auf mich. Die Kugeln trafen mich nicht, aber von allen Seiten sprangen mir die abgeschossenen Holzsplitter ins Gesicht. Danach kam ich erneut ins KZ und musste auf den Todesmarsch. Ich schaffte ihn bis zum Ende. Am Tag danach bekam ich Typhus. Hätten sich nicht die amerikanischen Soldaten um mich gekümmert, wäre ich heute tot.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 30.04.2015


Von der SS verschleppt

Iwan Perepeliza erzählt Schülern seine Geschichte

PereplizaDachau - „Mein Herz ist krank" sagt der 79-jährige Iwan Perepeliza. Es geht ihm nah, als er seine Geschichte erzählt. Auf russisch, eine Dolmetscherin übersetzt, was er sagt. Perepeliza sieht gut aus für sein Alter, in seinem grauen Anzug würde man ihn jünger schätzen. Er ist ehemaliger Kriegsgefangener und war KZ-Häftling in Dachau. Seine Erinnerungen an diese Zeit vermittelte er gestern im Jugendgästehaus 25 Schülern der 10. Klasse des Grafinger Gymnasiums. Sie sind alle etwa 16 Jahre alt - nur ein Jahr älter als Perepeliza war, als er von der SS nach Deutschland verschleppt wurde.

1942 wurde er in seinem Heimatdorf Pleskatschiwka bei Kiew (Ukraine) verhaftet und nach Deutschland gebracht. Bereits auf dem Weg nach Deutschland wurde er mehrfach von SS-Männern geschlagen. Zahlreiche Fluchtversuche scheiterten. Er arbeitete in Wolfratshausen. Anfang 1945 wurde er erneut verhaftet, als er während eines Arbeitseinsatzes ein Würstchen vom Boden aufhob und es aß. „Wir waren jung und hatten immer Hunger", sagt Perepeliza fast entschuldigend.

Deshalb wurde er nach Dachau geschickt. „Ich habe nicht gedacht, dass ich das überlebe", erzählt Perepeliza. Einer der Schüler fragt nach seinen Erinnerungen an diese Zeit. Einmal habe er zusammen mit anderen Häftlingen zwei LKWs mit Weißkohl gefunden und aus Hunger etwas Kraut geklaut. Dafür sei er nackt von einem Offizier geschlagen worden. „Einen Monat lang konnte ich nicht mehr sitzen", sagt er.

Nach acht Monaten zwangen die SS-Leute die Häftlinge, unter ihnen auch Perepeliza, auf einen „Evakuierungsmarsch". Von dort gelang ihm nach mehreren Versuchen endlich die Flucht. In Buchberg wurde er von einem Mann aufgenommen, der ihm Butterbrote und Kaffee gab. Diese Familie sucht er noch heute.

Die Jugendlichen hören Iwan Perepeliza betroffen zu. Das Zeitzeugengespräch ist kein Geschichtsbuch, in dem die Geschehnisse trocken aufbereitet werden. „Ich finde es mutig, dass Sie wieder gekommen sind und sich Ihren Erinnerungen stellen", sagt einer der Schüler anerkennend. Auch für Sozialkundelehrerin Lucia Bauer-Ertl sind Zeitzeugengespräche unersetzlich. „Durch Gespräche entwickeln die jungen Leute ein Bewusstsein für die schrecklichen Zustände", sagt sie. „Es darf nie wieder passieren."

Melanie Staudinger, Süddeutsche Zeitung, 28. April 2006 , Seite 3


Jurij Piskunov (* 1926)

Jurij Piskunow wurde als eines von drei Kindern am 22. Dezember 1925 in Saporoshje in der Ukraine geboren. Sein Vater starb, als er acht Jahre alt war, die Mutter musste mit ihrer Arbeit in einem Lokomotivausbesserungswerk die Familie ernähren. Vor dem Krieg konnte Jurij gerade ein Jahr lang eine technische Lehranstalt besuchen. Schon damals wuchs in ihm seine politische Überzeugung. Obwohl er nie Mitglied der kommunistischen Partei wurde, war er stets überzeugter Kommunist und ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Er selbst nennt sich „Kommunist im Herzen".

Nach der Besetzung der Ukraine durch die Deutschen trat Piskunow eine Arbeitsstelle am Bahnhof von Saporoshje an. Am 3. April 1943 aber wurde er mit vier seiner Arbeitskollegen wegen Sabotage deutscher Eisenbahnzüge von der Gestapo verhaftet. Drei Monate saß er im Gefängnis Saporoshje, in dem er schwer misshandelt wurde. Am 5. Oktober 1943 wurde er in das Konzentrationslager Mauthausen bei Linz deportiert. Er wurde mit einem roten Dreieck (Winkel) als politischer Häftling gekennzeichnet und erhielt die Lagernummer 36227. Er musste dort einige Zeit im Steinbruch „Wiener Graben" arbeiten, der sich durch die so genannte Todesstiege auszeichnete und zu den gefürchtetsten Arbeitsplätzen gehörte. Am 2. November 1943 wurde er ins KZ Dachau überstellt, wo er die Häftlingsnummer 57588 erhielt.

Während der Haft in Dachau wurde er eingesetzt, um Eisenbahngleise auszubessern. Im Herbst 1944 verrichtete er außerhalb des Lagers Aufräumungsarbeiten in bei Luftangriffen getroffenen Gebäuden. Dort fand er mehrere deutsche Zeitungen, von denen er eine in das KZ hineinzuschmuggeln versuchte, damit die Häftlinge etwas über den Kriegsverlauf erfahren konnten. Die SS-Leute entdeckten die Zeitung und sperrten ihn für zehn Tage in eine der Stehzellen im Lagergefängnis, dem so genannten Bunker. Auf der Fläche von etwa 70 mal 70 Zentimeter konnte sich der Gefangene weder hinsetzen noch hinlegen. Die ununterbrochene Haft in diesen Zellen war für eine Dauer von bis zu 72 Stunden gedacht (aber auch längere Haftzeiten sind bekannt), Luft- und Lichtmangel verschärften die Strafe.

„Es war dunkel. Und wohin ich mich auch drehte, überall stieß ich sofort an eine Wand. Ein wenig setzen konnte ich mich nur, indem ich mich mit dem Rücken gegen die eine und mit den Knien gegen die gegenüberliegende Wand stützte. Ich hatte große Angst und wusste nicht, ob ich den nächsten Morgen erleben würde. Es war feucht und kalt in der Zelle. So verging der Tag. Dann begannen sie mich zu verhöhnen. Wenn das Essen gebracht wurde, zwang mich der SS-Offizier, auf allen Vieren wie ein Hund zu bellen oder zu grunzen und schimpfte mich "ein räudiges russisches Schwein". Immer hatte er die Peitsche bereit. Wenn ihm etwas nicht gefiel, schlug er mich sofort mit der Peitsche. Dann konnte ich mich nur noch dem Allerhöchsten zuwenden, auf dass er meine Seele zu sich nähme und sie von diesen Qualen erlöse", beschreibt Jurij Piskunow seine Tage in der Stehzelle später.

Dieses Erlebnis prägte Piskunows gesamten weiteren Aufenthalt im KZ Dachau, denn er wurde durch die Haft im Bunker sehr geschwächt. In seinen Erinnerungen erzählt er, dass er am Tag nach seiner Entlassung aus dem Bunker Blut gespuckt habe. Er wurde ins Krankenrevier des Lagers eingewiesen, wo nach einiger Zeit Tuberkulose diagnostiziert wurde. Piskunow befand sich in Baracke 13 des Krankenreviers, als die US-Armee das Lager am 29. April 1945 befreite.

Nach seiner Befreiung kehrte Piskunow in die Ukraine zurück, wo er sechs Monate lang in der sowjetischen Armee dienen musste. Danach setzte er seine Ausbildung fort und arbeitete schließlich als Modedesigner. Heute lebt er mit seiner Tochter und seinem Enkel in Kiew. Seit vielen Jahren ist er zu den Befreiungsfeierlichkeiten regelmäßig Gast in Dachau und auch der Vertreter der ehemaligen Häftlinge aus der Ukraine im Dachau-Komitee.

Quelle: Süddeutsche Zeitung,


Grigorij Polechin

"Wir wurden alle schlecht behandelt", antwortet Grigorij Polechin, Überlebender des Konzentrationslagers Dachau, auf die Frage von Shkendija Mavraj, ob jüdische Gefangene im KZ anders behandelt wurden. Die Spuren der Misshandlungen und Schläge sieht man noch heute. Der 79-jährige Ukrainer zieht seine Socke aus und zeigt seinen rechten Fuß - die mittleren Zehen sind kürzer als die anderen und stehen quer zueinander.

Polechin ist ein fröhlicher Mann. Er lächelt oft während des Zeitzeugengesprächs mit drei Redakteurinnen des Zeitungsprojektes der Süddeutschen Zeitung "Schüler machen Zeitung - zum 61. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau". 

Polechin erzählt von der Zwangsarbeit auf einem Bauernhof in Kaufbeuern. Damals war er 14 Jahre alt. "Jede Woche hatten wir einen Tag frei und gingen tanzen", sagt er auf russisch, eine Dolmetscherin übersetzt. Nach einer Schlägerei wurde Polechin als Anstifter beschuldigt und ins Dachauer Konzentrationslager deportiert. "Ich war ein Junge. Ich habe nicht verstanden, was passierte", sagt er fast entschuldigend. 

Carmen Wegge fragt nach dem Alltag im KZ. Polechin erinnert sich vor allem an die Appelle vor dem Arbeitsdienst - Polechin war bei der Eisenbahn in München "angestellt". "Wenn einer fehlte, mussten alle bleiben, bis er gefunden wurde, egal welches Wetter war", erzählt er. 

Nach seiner Rückkehr in die Ukraine kam er nicht in ein stalinistisches Lager. Er hatte Glück, weil er noch relativ jung war. Polechin bekam dennoch keine Unterstützung von den Behörden. "Du hast für Deutschland gearbeitet. Deshalb kannst du jetzt ohne Arbeit und Geld weiterleben", habe man ihm gesagt. Stolz erzählt Polechin, dass er trotz der Ausgrenzung in der ehemaligen Sowjetunion eine Frau gefunden und geheiratet habe. Mit ihr hat er zwei Söhne. Bis zu seiner Rente hat er 33 Jahre in einer Mine gearbeitet. 

SZ, 10.5.2006


Ivan Savinych

Savynich

Es sind genau 19 Jungen zwischen 10 und 14, zwei sind fast 15 Jahre alt. Fast alle leben schon zwei Jahre lang in verschiedenen deutschen Konzentrationslagern ... Nicht einer der Jungen hat eine Ahnung, wo Vater und Mutter sind. Fast alle antworten sie, dass der Vater an der Front und die Mutter an unbekanntem Ort sei. Gott selbst weiß, wie und wann diese Kinder, durch das Lagerleben abgestumpft und aller kindlichen Freuden beraubt, überhaupt wieder mit den Eltern zusammentreffen. Einen von ihnen habe ich mir beiseite genommen und ihn in ganzer Gestalt auf einem mitgebrachten Karton skizziert. Es ist der elfjährige Ivan Savinych ... Er stammt aus Charkov und hat die Häftlingsnummer 58632.

Heimliche Tagebuchnotiz von Karel Kašák (1939 –1945 im KZ Dachau) über ein Arbeitskommando mit russischen Kindern auf der Plantage, März 1945 ( Auszug ) Dachauer Hefte 11, 1995

 

 


Der elfjährige Ivan Savinych auf der Plantage, Zeichnung von Karel Kašák, 23. März 1945 Památník Terezín


Pawel Tichomirow ist mehrmals vor den Nazis geflohen

Pawel Tichomirow lacht verstohlen, wenn er von seinen zahlreichen Fluchtversuchen erzählt. Der 92-Jährige, geboren in einem kleinen Dorf nahe der russischen Stadt Smolensk, hat drei Jahre Gefangenschaft unter den Nazis überlebt. Heute sitzt seine Frau neben ihm und sagt: „Weil er stark war. Sehr stark.“

Es war Ende März 1942 und der Schnee schmolz, als die Deutschen zu uns ins Dorf kamen. Sie befanden sich bereits auf dem Rückzug von Moskau und wollten junge Arbeitskräfte mitnehmen. Aus meinem Dorf traf es insgesamt zwölf Jugendliche. In einem Güterwaggon wurden wir nach Ludwigsburg transportiert. Wir sind drei Tage ununterbrochen gefahren und einmal am Tag ging die Tür auf und es wurden zwei Laibe Brot und ein Eimer Wasser zu uns hinein geschmissen. Von Ludwigsburg kam ich dann in den Ruhrpott, um Kohle zu sammeln. Jeden Tag starben Leute. Also bin ich geflohen, bis ich in Stuttgart verhaftet wurde. Bei einem Luftangriff konnte ich aus dem Gefängnis entkommen, wurde aber bald wieder geschnappt und nach Dachau gebracht. Das war im Spätherbst ’44. Das Lager war sehr groß. Wenn jemand morgens krank war und nicht aufstehen konnte, wurde er an den Füßen aus dem Bett gezogen und ins Krematorium gebracht. Weil ich auf der Flucht angeschossen wurde, musste ich in Dachau nicht arbeiten und wurde schon nach einem Monat nach Buchenwald gebracht. Ich war mechanisch begabt und habe für Junkers Flugzeugteile hergestellt – so hatte ich das Glück, nicht im Steinbruch arbeiten zu müssen. Als die Alliierten Anfang April 1945 näher kamen, mussten wir entlang der Gleise laufen. Da wir nicht wussten, ob wir erschossen werden sollten, rannten wir zu dritt bei einem Waldstück los. Sie schossen. Aber verfolgt haben sie uns nicht. Ich kann mich noch erinnern, wie sehr ich in diesem Moment die Freiheit fühlte. Wir kamen zu einem Dorf, wo überall weiße Flaggen wehten. Aber ein Zivilist hat uns festgenommen und ins Leichenschauhaus der örtlichen Kirche gesperrt. Als ich an einem Busch meine Notdurft verrichten durfte, bin ich wieder geflohen. Mit dem Fahrrad fuhr ich Richtung Osten und kam mit dem Zug nach Polen. Die Rote Armee hat mir einen Ausweis gegeben und gesagt: „Du bist frei.“

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 30.04./01.05.2015


Eines Tages wurden mehrere hundert russische Kinder eingeliefert, Knaben zwischen zehn und sechzehn Jahren, die in eigenen Baracken untergebracht wurden.

Hans Adam, Nacht über Deutschland, Wien 1947, S. 23


22. 11.1942
Es ist Sonntag, - wir stehen auf dem Appellplatz und warten auf das Kommando zum Ausmarschieren. - Neben uns stehen einige hundert Russen, dass heißt Ukrainer, in Reih und Glied. - Ihre zwei vordersten Reihen sind ... Kinder von 11 bis zu 15 Jahren. - Diese kleinen Gestalten in den viel zu großen Kleidern, diese bleichen Gesichtchen mit den kindlichen, halbfrohen Augen und die hellen Stimmen dazu. - Wie Lerchen auf einem Friedhof, so klingt ihr Gezwitscher. - Vorigen Sonntag führte einer so ein sterbendes, wimmerndes Kind an mir vorbei. - Ich musste mich wegdrehen. - Helfen ist ja nicht möglich. -
Sie haben im Württembergischen, bei Ulm, gearbeitet, diese Kinder und jungen Burschen. - Das Essen war so wenig, dass sie am Verhungern waren. - Da sind sie in Scharen fortgelaufen, - sie wollten wieder in ihre alte Heimat. - Statt dessen brachte man sie hierher. - Viele von ihnen sind schon tot. - Trotzdem sagen sie, dass es ihnen hier besser geht, was das Essen anlangt. - Das sagt genug.

Kupfer-Koberwitz-Koberwitz, Dachauer Tagebücher, München 1997, S.33

11.4.43
Es sind viele kleine Russen im Lager, von 11 bis 14 Jahren und darüber. - Eine Schmach. - Sie balgen sich, wie junge Hunde, wenn sie einen Augenblick frei sind, oder sind ganz elend vor Hunger.

Kupfer-Koberwitz, Dachauer Tagebücher, S.101

22.9.43
Am Sonntag, im Lager besuchte ich Stani. - Er brachte es fertig, ins Revier zu kommen, obwohl das streng verboten ist. - Dort sah ich einen kleinen dreizehnjährigen Russen. - Stani erzählte mir, dass er in der Ukraine schon im Lager war, weil er zwei Büchsen Gerste gestohlen hatte, da ihn hungerte. - Die russische Polizei, die die Deutschen belassen hatten, verhaftete ihn, - jetzt ist er mit den anderen Kindern von dort hierher gekommen.

Kupfer-Koberwitz, Dachauer Tagebücher, S. 170f.

20.10.43
Gestern soll wieder ein Russentransport angekommen sein, dabei viele, viele Kinder, barfuß, auch solche von sechs bis acht Jahren. - Bisher war unser jüngster Russe neun Jahre alt.

Kupfer-Koberwitz, Dachauer Tagebücher, S. 187

11.5.44
Die kleinen Russenkinder sollen jetzt deutschen Unterricht erhalten. - Boris soll ihr Lehrer werden. -
Armer Boris! - Die Kinder sind durch das, was sie im Krieg und Lager erlebten, halb wild geworden und haben keine Lust zum Lernen. - Die SS wird aber erwarten, dass sie in ganz kurzer Zeit, in einigen Monaten vielleicht schon Deutsch sprechen. - Dabei müssen sie aber auch noch arbeiten. -

Kupfer-Koberwitz, Dachauer Tagebücher, S. 292

6. August
Lange mit unseren beiden kleinen Russen gesprochen - so gut oder so schlecht es ging, denn sie verstehen noch nicht viel Deutsch.
Der Oberpfleger hat sie glücklicherweise ins Revier holen können, obwohl sie eigentlich nicht krank sind, aber hier sind sie sicherer, vor allem auch vor dem Armenier (unserem Lagerältesten), der sie nun wenigstens nicht mehr mißbrauchen kann.
Wassilij ist elf und Petrow dreizehn. Beide sind schon zwei Jahre im Lager. Sie stammen aus Woroschilowgrad, und ihre Eltern wurden von den Deutschen erschossen.
Die beiden Knaben liegen hier zusammen in einem Oberbett, helfen dann und wann ein wenig, zum Beispiel wenn das Essen ausgeteilt wird, beim Auswaschen von Bandagen oder beim Schneiden von Verbandsmaterial.
Morgens spielen sie oft Zeck oder Verstecken zwischen den Särgen und den Toten, die aus der Sektionsstube stammen und die auf die Straße vor dem Leichenhaus gelegt werden, bis das Krematoriumkommando seine tägliche grausige Fracht holen kommt.
Als ich Wassilij fragte, ob er nach dem Kriege mit mir nach Holland kommen wollte, zuckte er verächtlich die Achseln und antwortete kurz und bündig: »Holland? Holland? Nein! Sowjetunion!« Er tat, als ob Holland eine Art Wildnis wäre und ist in seinem kindlichen Gemüt felsenfest davon überzeugt, daß es in seinem Vaterland besser ist als irgendwo anders in der Welt.

Nico Rost, Goethe in Dachau, Berlin 1999, S. 62


Neben den "erwachsenen", disziplinierten Häftlingen [aus der Sowjetunion], die zum größten Teil die Schule der Roten Armee durchlaufen hatten und aus Kriegsgefangenenlagern kamen, gab es eine große und unruhige Gruppe von jungen Ukrainern, die als Halbwüchsige zur Zwangsarbeit nach Deutschland verfrachtet und ins KZ geschickt worden waren, nachdem sie durch ein Delikt oder durch Ungehorsam aufgefallen waren. Es waren Jungen von fünfzehn, sechzehn Jahren, die den schützenden Rahmen der Familie seit langem entbehrten und in einer inhumanen Welt um das nackte Überleben kämpfen mußten. Für viele war die Existenz sicherlich schon vor der Einlieferung ins Lager seit vielen Monaten nicht minder gefährdet und exponiert gewesen. In Dachau kamen aus ihren Reihen die "Günstlinge" etlicher Block- und Kommandoführer; zugleich Diener und Leibwächter, wohlgenährt und im Warmen sitzend, waren sie sich bewußt, daß sie eine praktisch unbegrenzte Protektion genossen, daß sie in einer Welt aufwuchsen, in der allein das Gesetz des Stärkeren regierte, und wann immer sie jemanden antrafen, der ihnen schwächer erschien, versagten sie es sich nicht, ihn zu bestehlen, zu mißhandeln und zu schlagen, denn wer körperlich schwach war, dem ermangelte es auch fast in jedem Fall an Protektion und Einfluß.
Taugenichtse, Diebe und, wenn es sein mußte, auch Mörder, waren die jungen Ukrainer, die keine offizielle, aber eine in fürchterlicher Weise effiziente Kategorie bildeten, zu unserer Zeit eine der größten Plagen des Lagers.

Wahrscheinlich war es eine kleine Bande von Ukrainern, die mir eines Nachts meine Lederschuhe stahl, die ich immerhin unter meinem Strohkopfkissen versteckt hatte; in einem der Schuhe hatte ich meine Brille in Sicherheit gebracht. Diese Jungen waren von Sondereinheiten, die zweibeinige Arbeitstiere nach Deutschland schaffen sollten, aus ihren Familien herausgerissen worden, oder sie stammten aus Familien, die der Krieg schon zuvor getrennt hatte.
Ihre Welt war voll von Gewalttaten, Ungerechtigkeiten, Metzeleien. Ihre Moral wurde einzig vom Überlebensdrang diktiert. In den Kommandos übten die Sowjets im allgemeinen eine eherne Solidarität, aber gelegentlich kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen russischen "Proletariern" und jungen ukrainischen "Delinquenten". Die ehemaligen Soldaten konnten für Jugendliche, die sich vor den Prominenten erniedrigten, nur Verachtung empfinden. Unter diesen Jungen, die in doppelter Weise Opfer zweier inhumaner totalitärer Systeme waren, wurde bisweilen das Verlangen nach einer anderen Beziehung, einer anderen Realität laut. Christliche Franzosen, die mit ihnen in einem Kommando zusammen waren, haben mit einigen dieser Jungen gemeinsam eine sehr tiefe spirituelle Erfahrung erleben können.

Joseph Rovan, Geschichten aus Dachau, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1989, S. 84f.