Gedenkstättenführer Flossenbürg in leichter Sprache

Erarbeitet von Studierenden des Seminars: "Begegnung mit dem Nationalsozialismus vor Ort - Projektseminar zur Erarbeitung eines gedenkstättenpädagogischen Konzepts für Menschen mit Beeinträchtigungen" der Universität Würzburg, Sonderpädagogik II, Dozent: Ullrich Reuter, Wintersemester 2005/06

Bei diesem Führer in leichter Sprache handelt es sich um ein "Work in Progress".
Korrektur- oder Verbesserungsvorschläge können Sie direkt an Ullrich Reuter und sein Team übermitteln:
ullrich.reuter@mail.uni-wuerzburg.de



Übersicht


 

Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Im Gelände finden Sie 14 Tafeln mit Bildern und Erklärungen über das KZ.
KZ ist die Abkürzung für Konzentrationslager.
Bei der früheren Kommandantur steht ein Übersichtsplan. Dieser zeigt den Aufbau der Gedenkstätte.
In der Ausstellung im Wäscherei-Gebäude ist ein Modell des Lagers.
Das KZ Flossenbürg wurde im Mai 1938 erbaut. Die SS wollte hier ein Lager, da es in der Nähe viel Granit gibt. Granit ist ein sehr harter Stein zum Bauen von Häusern und Straßen.
Die Häftlinge mussten das Lager selber bauen. Nebenan im Steinbruch mussten sie dann den Granit abbauen. Die SS verkaufte die Granitsteine. Später mussten die Häftlinge auch Flugzeuge für den Krieg bauen.
Zu diesem KZ gehörten noch viele kleinere Lager. Auch dort mussten die Häftlinge Waffen für den Krieg bauen.
Kurz vor Ende des Krieges mussten sehr viele Häftlinge das Lager verlassen. Die SS trieb die Häftlinge auf Todesmärschen vom Lager weg.
Am 23. April 1945 befreiten die amerikanischen Soldaten die Häftlinge, die noch im Lager waren. Es waren nur noch sehr wenige Häftlinge übrig.

[Statt Planskizze Foto des neuen Lagermodells mit Beschriftungen]

Anne Kußmaul, Jonas Kenner



Häftlinge

Die 1. Häftlinge kamen 1938 nach Flossenbürg.
Am Anfang waren es nur wenige Häftlinge.
Am Kriegsende lebten viele Menschen im KZ.
Die Häftlinge lebten auf sehr wenig Platz.
Die Nationalsozialisten sperrten Menschen ein, die sie anders fanden:

  • Menschen, die sich gegen diese Regierung wehrten

  • jüdische Menschen

  • Menschen, die man asozial nannte

  • Menschen, die man kriminell nannte

  • Sinti und Roma

  • Schwule Männer

  • Kriegsgefangene

  • Zeugen Jehovas

Die meisten Häftlinge kamen nicht aus Deutschland.
Die Häftlinge kamen aus vielen verschiedenen Ländern. Zum Beispiel aus Polen und Russland.
In manchen Außenlagern waren auch Frauen eingesperrt.

[Bildunterschriften:
Bild 1: Die Arbeit im Steinbruch war die schwerste Arbeit.
Bild 2: Das ist Jan Predki aus Polen. Er war in 2 Konzentrationslagern und hat überlebt.]


 


Jan Kauth, Mirko Müller



Kommandantur

In der Kommandantur arbeiteten die Menschen, die das KZ leiteten.
Hier gab es Listen, auf denen alle Häftlinge aufgeschrieben wurden.
Die SS fragte hier die Häftlinge aus und quälte sie oft dabei.


[Bildunterschriften:
Bild 1 (neu): Foto der Kommandantur heute – ohne Text
Bild 2: Max Koegel war der letzte Leiter des KZ-Flossenbürg]

Jan Kauth, Mirko Müller



Lagertor

Durch das Lagertor kamen die Häftlinge ins Lager.
Im Lager wurden sie häufig ohne Grund geschlagen und manchmal getötet.
Morgens gingen die Häftlinge zur Arbeit in den Steinbruch oder in die Fabrik. Dabei mussten sie durch das Tor laufen.
Abends kamen alle in das Lager zurück.
Viele Häftlinge sind bei der harten Arbeit gestorben. Die anderen Häftlinge brachten die Toten mit ins Lager.


[Bild1: So sah es kurz nach der Befreiung aus
Bild2: aktuelles Foto – Früher sind hier die Häftlinge durch das Tor gelaufen. Heute stehen nur noch Reste des Tors.]

Anja Graf, Saskia Heckwolf



Appellplatz

Der Mittelpunkt des Lagers war der Appellplatz.
Auf dem Appellplatz wurden die Häftlinge morgens und abends gezählt.
Sie mussten sehr lange stehen. Das war anstrengend.
Auf dem Appellplatz wurden manchmal Häftlinge geschlagen oder getötet. Die anderen Häftlinge mussten zusehen.

[Bild1: Ein Bild vom Appellplatz aus der Luft. (Gebäude noch beschriften)
Bild 2: Häftlings-Zeichnung vom Appell]


Anja Graf, Saskia Heckwolf



Wäscherei/Häftlingsbad

Im Keller der Wäscherei war das Bad für die Häftlinge.
Immer wenn neue Häftlinge in das Lager kamen, mussten sie zuerst in das Bad.
Dort wurden ihnen alle ihre Sachen abgenommen. Sogar ihre Kleidung.
Die Häftlinge wurden am ganzen Körper rasiert.
Danach mussten sie duschen. Die Dusche war immer viel zu heiß oder viel zu kalt.
Alle Häftlinge mussten das Gleiche anziehen. Die Kleidung war gestreift und sehr ärmlich.
Auch der Name wurde ihnen abgenommen. Der eigene Name zählte nicht mehr. Jeder Häftling bekam eine Nummer. Er durfte seinen eigenen Namen nicht mehr benutzen.
Dadurch sind die Häftlinge sehr erniedrigt worden. Von nun an waren sie keine freien Personen mehr. Die Identität wurde ihnen genommen.

[Bilder:
Text zu Bild 1: Das ist das Bad im Keller der Wäscherei
Text zu Bild 2: Das Gebäude oben ist die Wäscherei
Das Gebäude unten ist die Häftlingsküche.
Beide sind aus Stein. Deshalb stehen sie heute noch.
Zum Text über die Häftlingskleidung noch ein weiteres Bild von einem Häftling in Häftlingskleidung und rasiertem Kopf hinzufügen.]
 

Sebastian Rüth, Jonas Landgraf
Ergänzungen: Romina Hagen, Sandra Funke



Häftlingsbaracken

Die Häftlinge haben in Baracken geschlafen.
Die Baracken waren Hütten aus Holz.

In den Baracken war es im Winter sehr kalt, im Sommer sehr heiß.
Oft war es sehr eng. In einem Bett mussten dann 3 Menschen schlafen.
Sie hatten keine Matratzen.
Sie hatten auch keine Zudecken.
Es war dort sehr dreckig.

Deswegen waren die Häftlinge oft krank.
Viele Häftlinge sind sogar gestorben.

Die Häftlinge haben nur wenig und schlechtes Essen bekommen. Aber sie mussten hart arbeiten, zum Beispiel im Steinbruch. Deshalb waren die Häftlinge sehr schwach und müde. Viele sind durch die schwere Arbeit gestorben.
Die SS nannte das: Vernichtung durch Arbeit!


[Bilder:
Aktuelles Foto des Hanges, daneben altes Bild: Die Häftlingsbaracken am Hang (S. 7) (Abdruckrechte klären!)
Eine Baracke von außen (S. 7),
Häftlingszeichnung einer Baracke von innen]


Am Anfang haben 300 Menschen in einer Baracke geschlafen:

 

Später haben fast 1 000 Menschen in einer Baracke geschlafen:


In Flossenbürg hat es 16 Baracken gegeben:



Zur Veranschaulichung Montessori-Perlenmaterial verwenden:
10 Hunderterplatten


Judit Kiss, Simone Treiber
Ergänzungen: Romina Hagen, Sandra Funke



Krankenbaracken

Es hat auch Baracken für kranke Häftlinge gegeben.
Aber die Ärzte haben sie nicht gut gepflegt.

Sie hatten zu wenig zu Essen.
Sie hatten keine Medikamente.
Oft haben die Ärzte den Häftlingen sogar extra wehgetan.

Dort sind viele Menschen gestorben.


[Bilder:
Amerikanische Fotos unmittelbar nach der Befreiung]


Judit Kiss, Simone Treiber



Arrestbau (Gefängnis)

Im Lager gab es einen Arrestbau. Das ist so ähnlich wie ein Gefängnis.
Um den Arrestbau herum war eine Mauer. Dort wurden Häftlinge oft ohne Grund bestraft.
Die Menschen wurden sehr schlecht behandelt.
Hier wurden auch sehr bekannte Personen aus ganz Europa eingesperrt. Sie wurden deshalb eingesperrt, weil sie gegen den Nationalsozialismus waren. Man sagt, sie waren im Widerstand.
Einer von ihnen war Pfarrer Dietrich Bonhoeffer. Er wurde im Hof vor dem Arrestbau umgebracht.
Auch viele andere Häftlinge sind hier getötet worden.
Nach dem Krieg wurde ein Teil des Arrestbaus zerstört.

[Bilder:
Zum Bild „Gefängnishof“: In diesem Hof wurden viele Menschen getötet.
Zwei Bilder: Arrestbau damals und heute.
Bild: Bonhoeffer]

Romina Hagen, Sandra Funke



Ehrenfriedhof

Im hinteren Teil der Gedenkstätte gibt es heute einen Ehrenfriedhof.
Die Menschen, die dort begraben sind, sind nicht im KZ gestorben. Sie wurden auf Todesmärschen ermordet.
Über 5.000 Menschen liegen in Gräbern auf dem Ehrenfriedhof.


[Bilder:
Beide Bilder im Gedenkstättenführer halten wir für ungeeignet.
Es sollte ein aktuelles Bild des Ehrenfriedhofs zu sehen sein.]

Sebastian Rüth, Jonas Landgraf



Krematorium

Ab Herbst 1944 starben besonders viele Häftlinge im KZ Flossenbürg.
Die Toten wurden auf einem Wagen zum Krematorium gebracht. Dort wurden die toten Menschen in einem Ofen verbrannt.
Die Asche von vielen Toten wurde in ein großes Loch geschüttet.
Diese Arbeit mussten auch Häftlinge machen.

[Bilder:
oberes Foto weg, dafür Foto von Krematorium;
kleines Foto: Auf den Schienen fährt der Wagen mit den Toten zum Krematorium]

Christina Bode, Julia Blüml



Befreiung des KZ

Am Ende des Krieges haben Soldaten aus Amerika die Häftlinge befreit. Das war 1945.
Sie fanden nur noch wenige Häftlinge, die überlebt haben.

Schon bald bauten sie zur Erinnerung an die schreckliche Zeit und die vielen Toten eine Kirche. Sie wurde aus den Steinen des Lagers gebaut. Der Kirchturm ist ein alter Wachturm.
Seit 1995 gibt es hier auch eine jüdische Gebetsstätte. Dort beten heute vor allem jüdische Besucher für die Opfer des KZ.

Nach der Befreiung wohnten in den Häftlingsbaracken Flüchtlinge.
Sie durften in ihrer Heimat nicht mehr wohnen und mussten weggehen. Sie hatten kein Zuhause mehr.

Später wurden die Baracken abgerissen.
Heute stehen dort Wohnhäuser.

Bilder:
Foto von der Kirche
Foto der jüdischen Gebetsstätte
Foto der heutigen Bebauung des Barackenhügels. Text: Heute stehen hier Wohnhäuser. Früher standen dort die Baracken.



Tal des Todes

Bald nach dem Krieg bauten Menschen eine Gedenkstätte für die Toten. Heute steht am Eingang zur Gedenkstätte das alte Lagertor.
Die Besucher gehen dann weiter zum Krematorium. Neben dem Krematorium wurden viele Gefangene von den Wachmännern erschossen.
An der Pyramide denken die Besucher an die verbrannten Menschen.
Neben der Pyramide ist ein großer Platz. Dort steht auf Steinen, aus welchen Ländern die Toten kamen.

Bilder:
aktuelles Foto vom Lagertor,
aktuelles Foto vom „Tal des Todes“ mit „Aschenpyramide“,

Christina Bode, Julia Blüml



Wichtige Wörter:


Außenlager:

Das waren kleinere Konzentrationslager an unterschiedlichen Orten. Die SS in Flossenbürg bestimmte über die Häftlinge in Flossenbürg und über die Häftlinge in den kleineren Lagern. Die Außenlager gehörten also zu Flossenbürg.

Gedenkstätte:
Die Gedenkstätte ist ein Ort, der an ein geschichtliches Ereignis erinnert.
Die Gedenkstätte Flossenbürg soll die Besucher an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnern und an das schrecklich Leben und Sterben der Häftlinge. Hier sind auch viele Menschen begraben.

Identität:
Die Identität ist das Besondere und Einmalige an jedem Menschen. Sie entsteht dadurch, dass jeder Mensch bestimmte Eigenschaften hat. Jeder Mensch hat seinen eigenen Namen, sein Aussehen, seine Art zu denken und zu sprechen und so weiter. Jeder Mensch macht in seinem Leben unterschiedliche Erfahrungen mit sich und anderen.

Kommandantur:
Hier waren die Räume der SS. Von hier bestimmten sie über das Lager.

Konzentrationslager = KZ:
Am Anfang kamen in ein Konzentrationslager Feinde des Nationalsozialismus. Sie sollten hier erzogen werden.
Später wurden immer mehr KZ gebaut.
Auch viele andere Menschen mussten in ein KZ. Zum Beispiel sehr viele Juden, Sinti und Roma, Kriegsgefangene und Menschen, die man asozial oder kriminell nannte.
Sehr viele Juden wurden auch in besondere Konzentrationslager gebracht und dort gleich ermordet. Solche Lager nennt man Vernichtungslager.

Nationalsozialisten (Nazis):
Die Nationalsozialisten waren eine Partei. Ihr Chef war Adolf Hitler. Er wurde Führer genannt.
Die Nationalsozialisten herrschten von 1933 bis 1945 in Deutschland. Sie regierten allein. Sie haben alle anderen Parteien verboten.
Viele Menschen im Deutschen Reich waren in dieser Partei. Adolf Hitler und die Nationalsozialisten bestimmten damals über alles, was in Deutschland gemacht wurde.
Die Nazis haben viel Unrecht getan und Gesetze nicht eingehalten.
Sie haben viele Länder überfallen und einen grausamen Krieg geführt. Sehr viele unschuldige Menschen sind dabei getötet worden.

Pyramide:
Die Pyramide ist ein Gegenstand oder Gebäude mit einer Spitze. Sie sieht ungefähr so aus:

Die Aschenpyramide in Flossenbürg hat eine ähnliche Form. Sie besteht aus der Asche verbrannter Leichen und aus Erde.



SS:
Die SS ist eine Spezialeinheit der Nationalsozialisten. Sie verfolgten Menschen, die gegen die Nationalsozialisten waren. Sie bewachten auch die Konzentrationslager.

Todesmärsche:
Die Soldaten anderer Länder befreiten am Ende des Krieges die Konzentrationslager. Kurz vor der Befreiung trieb die SS die Menschen aus den Lagern. Die SS wollte nicht, dass die Häftlinge gerettet werden.