Klaus Schilling, Gymnasium Dorfen

"Bunkergelände" im Mühldorfer Hart

Hier aus dem Raum Mühldorf/Inn ein Konzept einer möglichen Führung auf dem sog "Bunkergelände". Dieses Konzept entstand durch mehrere Führungen verschiedener Gruppen und ist ganz wesentlich angeregt worden durch erfahrene Betreuer aus Mühldorf und Waldkraiburg.

Konzept einer Führung:

1. Vorbereitung

Ortsbezug: Für Schulen aus meinem Raum, u.a. das Gymnasium Dorfen, ist dieser Ortsbezug ganz wichtig, das Bunkergelände kann sehr leicht erreicht werden, die Schule liegt an der selben Bahnlinie, auf der auch die Häftlinge transportiert wurden.
Dachau und/oder Mühldorfer Hart?
Die Fachschaft hat beschlossen, nur noch in der 10.Jahrgangsstufe nach Dachau zu fahren, der Lehrplanbezug ist auch hier gegeben. In der 10.Klasse bzw. später in der K13 (Grundkurs/Leistungskurs Geschichte) kann ergänzend dazu eine Exkursion nach Ampfing (Waldlager) bzw. Mühldorf stattfinden.
Thematisch bietet sich hier an: Kriegsende, Vergangenheitsbewältigung, Entnazifizierung.
  
Mit meinem Grundkurs Deutsch (K13) möchte ich versuchen, zum Abschluss unserer Lektüre

                       Bernhard Schlink: Der Vorleser

wie der Ich-Erzähler auch, der Stutthof besucht, an einem authentischen Ort eine Lesung  anzuregen, die wir selbst gestalten, um den Fragen des Erzählers nach der Verantwortung näher zu kommen.

2. Durchführung

Was man sehen kann:
      - Reste des KZ's bei Ampfing (sog. Waldlager) im Zustand der Verwilderung,
      - Bunkerruine,
      - die Natur, die sich das Gelände zurückobert, "bis Gras darüber wächst".
Ich halte viel davon, dass Schülerinnen und Schüler selbst etwas entdecken,  z.B. durch einen kopierten Plan des Lagers die Fundamente identifizieren etc.

Was man nicht sehen kann:
      - das Leid der Häftlinge,
      - das Schicksal behinderter Menschen (Euthanasie, Anstalt Ecksberg),
      - die Reaktion der Anwohner,
Schüler könnten hier kurze Referate vorbereiten, die von Einzelschicksalen berichten, z.B. Max Mannheimer, Aussagen Überlebender, die auf Film und Tonträger gespeichert sind, wiedergeben, sofern man nicht selbst Kassetten abspielt und den Film später ansieht:

   R.Ritzel: "Mit 22 wollte man noch nicht sterben ..." (Film eines Schülers)

Der Weg:
Beginnen müsste man m.E. immer am Waldlager, um die Opfer-Perspektive an den Anfang zu setzen. Der Weg zur Baustelle des Bunkers entspricht dem Weg der Häftlinge. Die Schülerinnen erhalten Namen aus der Totenliste des Lagers Ampfing, sie werden so zu Paten der Person, die mit Lebensdaten, Herkunftsland und Nummer dort verzeichnet ist. Die jüngsten Häftlinge sind 15 Jahre   alt. Die Namenskärtchen begleiten die Schüler auf dem Weg zum Bunker.
Bunker: siebter Bogen, Bautechnik, Begehung der gesprengten sechs Bögen.
Biografien der Täter (Weiss, Langleist, Dr.Flocken) sollten hier referiert werden,
die Arbeitsbedingungen der Häftlinge sind zu schildern.

Ergänzend ist möglich: Besuch des ehemaligen Massengrabs, der lokalen Friedhöfe, der Anstalt Ecksberg mit Denkmal, der Ausstellung im Mühldorfer Haberkasten:

                   "Als alles in Scherben fiel ..."

3. Gedenkstätte

Formen des Gedenkens:
      - Patenschaft für einen ehemaligen Häftling,
      - Stein als Gedenkstein am Bunkerbogen ablegen, evtl beschriftet,
      - künstlerische Auseinandersetzung mit dem Gesehenen, z.B.
        Entwurf einer Gedenktafel (evtl. für die eigene Schule),
        Gestaltung einer Ausstellung zur Exkursion,
        Arbeit mit Fotos vom Gelände.
Ich denke, jede Gruppe muss ihr Ritual entwickeln, das ihr auch entspricht.
Die Nachbereitung mit aktuellen Bezügen ist besonders beim Besuch in Mühldorf  möglich und nötig, vor allem auch durch den Zustand des Geländes. In der Schule wäre denkbar: Zusammenarbeit mit Musik (z.B. Klezmer) und Deutsch  (Celan: Todesfuge) u.a.

Wichtige Adressen zum Bunkergelände im Mühldorfer Hart:

Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft "Für das Erinnern"
              http://www.inn-salzach.de/~iivs01389
oder über die Suchmaschinen, Suchbegriff:
              KZ-Lager im Mühldorfer Hart

Das Kreisbildungswerk Mühldorf bietet Betreuung an unter:
              http://www.kz-gedenk-mdf.de/

Das Buch von Peter Müller: Das Bunkergelände im Mühldorfer Hart ist
im Buchhandel erhältlich: ISBN 3-930033-17-8.