Die Texte der zentralen Informationstafeln in der Ausstellung der KZ-Gedenkstätte Dachau

2 Wie konnte es zur nationalsozialistischen Diktatur kommen?

Die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg (1914-1918) führte mit der Novemberrevolution 1918 zum Sturz der Monarchie. Der neue demokratische Staat garantierte allen Bürgern, Männern wie Frauen, politische Gleichberechtigung.
Die junge Republik war von Anfang an gefährdet. Sie musste die Folgelasten des verlorenen Krieges tragen und war schweren wirtschaftlichen sowie politischen Krisen ausgesetzt.
Die demokratischen Kräfte verloren an Einfluss. Die radikalen Nationalisten bekämpften den neuen Staat und machten seine Repräsentanten für die Niederlage von 1918 verantwortlich.
Die Kommunisten erstrebten die Diktatur des Proletariats.
Zu Beginn der dreißiger Jahre, inmitten einer schweren Wirtschaftskrise, wurde die parlamentarische Demokratie zunehmend außer Kraft gesetzt. Die Wähler liefen Adolf Hitler und der NSDAP in Massen zu. Auch aus den traditionellen Führungsschichten erfuhr er Unterstützung auf dem Weg zur Macht.

3 Die Anfänge des Konzentrationslagers Dachau 1933

Dachau gehörte zu den ersten Konzentrationslagern und bestand als einziges Lager während der gesamten zwölf Jahre der NS-Herrschaft.
Es war in den ersten Jahren das größte und bekannteste Konzentrationslager. Der Name „Dachau“ verbreitete bald überall in Deutschland Angst und Schrecken.

4 Häftlinge im Konzentrationslager Dachau 1933-1939

Das NS-Regime wollte eine politisch und ideologisch gleichgeschaltete, sozial angepasste, „rassisch reine“ und straff hierarchisch geführte „Volksgemeinschaft“ schaffen. Wer sich nicht eingliedern wollte oder wer nicht dazu passte, wurde ausgegrenzt und verfolgt.
Das KZ Dachau war zunächst als Lager für politische Gegner errichtet worden. Ab 1936 nahm der Anteil der jüdischen sowie der nicht politischen Häftlinge beträchtlich zu.

5 Das KZ Dachau unter der Befehlsgewalt der SS


Als die SS im April 1933 die Führung des KZ Dachau übernahm, verschlechterten sich die Lebensbedingungen der Häftlinge gravierend. Der zweite Kommandant, Theodor Eicke, entwickelte ab Juni 1933 ein Konzept für die Herrschaft der SS über das Lager, das bis zum Kriegsende für alle Konzentrationslager zum Modell wurde.
Das „Modell Dachau“ diente dazu, die Konzentrationslager als dauerhaftes politisches Terrorinstrument zu etablieren und den zentralen Machtanspruch der SS zu festigen.

6 Lebensbedingungen im Lager 1933-1939


Die Lebensbedingungen der Häftlinge waren von Anfang an bedrückend. Ab 1936 verschlechterten sie sich immer mehr: Die Misshandlungen durch die SS-Bewacher nahmen zu und die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge wurde systematisiert. Zwischen 1933 und 1939 wurden 35.000 Gefangene eingeliefert, die meisten von ihnen wurden wieder entlassen. Über 500 Häftlinge fanden jedoch den Tod.

7 Das KZ Dachau zur Zeit der militärischen Eroberungen Deutschlands 1939-1942


Seit Kriegsbeginn im September 1939 verschlechterten sich die Lebensbedingungen der Gefangenen einschneidend. Das Konzentrationslager wurde nun auch zum Ort der massenhaften Ermordung von „unerwünschten“ KZ-Häftlingen, von Juden, Polen, sowjetischen Kriegsgefangenen sowie von Arbeitsunfähigen. Die Mordaktionen erreichten nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion 1941 einen Höhepunkt.

8 Das KZ Dachau 1942 bis 1945


Im Jahr 1942 verschlechterte die SS durch Hunger und Terror die Lebensbedingungen der Häftlinge so, dass die Sterblichkeit dramatisch anstieg. Da dies Himmlers Ziel gefährdete, möglichst viele Häftlinge als Zwangsarbeiter in der Rüstungsproduktion einzusetzen, mussten die Verhältnisse im Lager als 1943 verbessert werden. Massendeportationen aus den besetzten Ländern ließen die Zahl der Häftlinge im KZ Dachau und seinen Außenlagern bis Ende 1944 auf über 60000 ansteigen. Der Großteil der arbeitsfähigen Häftlinge war in Außenlagern inhaftiert und wurde von dort aus zur Arbeit, vor allem in Rüstungsbetrieben eingesetzt. Das Stammlager entwickelte sich damit immer mehr zu einer Verteilungsstation: Arbeitsfähige Häftlinge wurden in die Außenlager transportiert, kranke und sterbende Häftlinge zurückgenommen und entweder ermordet oder ihrem Schicksal überlassen.

9 Neue Häftlingsgruppen


Bis 1942 bildeten Polen, Deutsche und Tschechen die größten Häftlingsgruppen im KZ Dachau. Ab Sommer 1942 kamen sowjetische Häftlinge hinzu. Dann folgten Jugoslawen und ab 1943 auch Franzosen, Niederländer, Belgier sowie Italiener.
Als die Alliierten in der Normandie landeten, räumte die Gestapo im Sommer 1944 die Lager in Frankreich, Belgien und den Niederlanden und verlegte die Häftlinge in Konzentrationslager im Reich, unter anderem nach Dachau. Im Sommer 1944 deportierte das NS-Regime ungarische und litauische Juden in die KZ-Außenlager bei Kaufering und Mühldorf sowie Bewohner Warschaus und deutsche Regimegegner in das KZ Dachau. Unter den Deportierten befanden sich auch Kinder. Seit Sommer 1944 wurden auch Frauen in die Außenlager gebracht.
Die Bedingungen für die einzelnen Häftlingsgruppen richteten sich nach der von der SS bestimmten Rangstufe in der Häftlingshierarchie. „Oben" befanden sich die deutschen, „unten" die jüdischen, sowjetischen und italienischen Häftlinge. Ihre Überlebenschancen wurden immer schlechter.

10 Außenlager und Außenkommandos des KZ Dachau


In der zweiten Kriegshälfte war die deutsche Wirtschaft immer mehr auf die Zwangsarbeit auch von KZ-Häftlingen angewiesen. Angesichts des zunehmenden Mangels an Arbeitskräften in der Rüstungsindustrie begann die SS seit 1942 die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge intensiv auszuweiten. Unternehmen der Luftrüstung wie BMW, Messerschmitt oder die Zeppelinwerke mieteten Häftlinge von der SS, Außenlager wurden bei den Betrieben errichtet.
Das KZ Dachau wurde zur Sammel- und Verteilstelle, die für den Nachschub an neuen Arbeitssklaven sorgte und die arbeitsunfähig gewordenen ersetzte.
Die Zahl der Häftlinge im KZ Dachau und seinen Außenlagern vergrößerte sich seit 1944 sprunghaft durch Deportationen aus den besetzten Ländern, vor allem aber von fast 40.000 Juden aus den Lagern im Osten. Der größte Teil der rund 100.000 Häftling, die 1944/45 ins KZ Dachau kamen, war in Außenlagern eingesetzt. Die Lebens- und Überlebensbedingungen in den einzelnen Lagern und für die jeweiligen Häftlingsgruppen unterschieden sich erheblich.

11 Menschenversuche, Mord und Widerstand


Die zunehmende Ausrichtung der Konzentrationslager auf die Erfordernisse der Kriegswirtschaft veränderte auch die Funktion des Stammlagers grundlegend. Während arbeitsfähige Häftlinge von hier auf die Außenlager verteilt wurden, holte man die arbeitsunfähigen zurück. Man pferchte sie bei geringster Versorgung in die Blöcke der Krankenabteilung, ermordete sie durch Injektionen oder deportierte sie in die Vernichtungslager.
Ab März 1941 führten Ärzte vor allem im Auftrag von SS und Luftwaffe im KZ Dachau systematisch medizinische Versuche an Häftlingen durch. Tod oder lebenslange Leiden der Versuchspersonen wurden dabei in Kauf genommen.
Immer häufiger benutzte das Regime das KZ Dachau nun auch als Hinrichtungsstätte. Mehrere Hundert Widerstandskämpfer und politische Gegner wurden nur zur Exekution ins Lager gebracht.
Trotzdem gab es gerade im Stammlager auch Möglichkeiten zur Bildung von Strukturen der gegenseitigen Hilfe, der kulturellen Selbstbehauptung oder auch des Widerstands.

12 Die letzten Monate


Ende 1944 verschärfte sich die Situation für die nun über 60.000 Häftlinge des KZ Dachau dramatisch: Aufgrund der katastrophalen hygienischen Verhältnisse und der immer schlechter werdenden Versorgung mit Lebensmitteln brach im Stammlager eine Typhus-Epidemie aus. Sie forderte über 15.000 Opfer. Mehrere tausend Häftlinge starben zudem auf „Todesmärschen“, zu denen sie im April 1945 von der SS gezwungen wurden.
Um zu verhindern, dass die SS vor Kriegsende Mordaktionen an Gefangenen durchführte, schlossen sich Häftlinge verschiedener Nationen zu einer illegalen internationalen Lagerleitung zusammen. Am 29. April 1945 befreiten amerikanische Truppen das KZ Dachau. Nun versuchte die internationale Lagerleitung, das Leben im Lager zu organisieren und das Überleben der Häftlinge zu sichern.

13 Geschichte nach 1945


Verdrängen und Vergessen – so lässt sich die Haltung der Mehrheit der westdeutschen Gesellschaft im Umgang mit dem Erbe der Konzentrationslager beschreiben.
Im ehemaligen KZ Dachau erinnerte schon bald nur noch wenig an die Schrecken der Jahre 1933 bis 1945. Nachdem die letzten Überlebenden das Gelände verlassen hatten, wurde das Lager von der US-Armee als Internierungslager genutzt und im offiziellen Sprachgebrauch nur noch als „camp“ bezeichnet. 1948 richtete die Bayerische Regierung dort eine Wohnsiedlung für Flüchtlinge ein. Nur der Bereich des Krematoriums blieb als Gedenkort erhalten.
Die ehemaligen Häftlinge schlossen sich 1955 zu einer internationalen Organisation zusammen und kämpften für die Errichtung einer Gedenkstätte.
1965 konnte diese endlich eröffnet werden. Ausgestattet mit Museum, Archiv und Bibliothek war sie die erste und für viele Jahre die einzige ihrer Art in der Bundesrepublik.
Das ehemalige Konzentrationslager Dachau steht heute weltweit als Symbol für die national-sozialistischen Verbrechen. Die KZ-Gedenkstätte wurde bislang von mehr als 20 Millionen Menschen aus fast allen Ländern der Erde besucht.