Rundgang durch das Außengelände der KZ-Gedenkstätte Dachau

WirtschaftsgebäudeJourhausBunkerLagerstraßeAppellplatzKrankenrevierBarackenBarackenKatholische Todesangst-Christi-KapelleJüdische GedenkstätteEvangelische VersöhnungskircheAltes KrematoriumGroßes Krematorium ("Baracke X")Russisch-Orthodoxe KapelleKrematoriumsbereichBunkerhof
Informationstafeln


(kurz nach dem Besucherzentrum auf dem Besucherweg)

A  Konzentrationslager Dachau

Im März 1933 wurde hier ein Konzentrationslager für politische Gefangene errichtet. Es diente als Modell für alle späteren Konzentrationslager und stand unter der Herrschaft der SS. In den 12 Jahren seines Bestehens waren hier und in den zahlreichen Außenlagern über 200 000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. Mehr als 43000 kamen ums Leben. Am 29. April 1945 befreiten US-amerikanische Truppen die überlebenden. 1965 wurde das ehemalige Häftlingslager zur Gedenkstätte. Der heutige Besucherweg führt über die Fundamente der Politischen Abteilung der Gestapo. Diese registrierte die Häftlinge, führte - häufig unter dem Einsatz von Folter - Verhöre durch, verhängte Strafen und beurkundete Todesfälle.


B  (vor dem Eingang / Jourhaus)

Das erste Häftlingslager wurde im März 1933 in einer stillgelegten Munitionsfabrik aus dem ersten Weltkrieg eingerichtet. 1937/38 mussten die Gefangenen dieses Lager abbrechen und einen wesentlich größeren Lagerkomplex aufbauen. Zu den Neubauten gehörten das Jourhaus, das Wirtschaftsgebäude, das Lagergefängnis ("Bunker") und 34 Baracken. Das Lager war für 6000 Häftlinge vorgesehen, bei der Befreiung am 29. April 1945 mit mehr als 32000 Häftlingen jedoch vollständig überfüllt. Die Gefangenen waren der grenzenlosen Willkür der SS-Bewacher ausgeliefert. Kontrolle und Terror bestimmten den Lageralltag. Das heutige Gelände der Gedenkstätte entspricht dem Areal des neuen Lagers.


10 Jourhaus
 Das Torhaus und Dienstgebäude der SS wurde 1937 errichtet. Alle neu eintreffenden Häftlinge passierten das Tor mit der Inschrift "Arbeit macht frei".
Im oberen Stockwerk befanden sich Büroräume der Schutzhaftlagerführer (Leiter des Häftlingslagers) und der Politischen Abteilung/Gestapo (Vernehmung und Strafen). Im Erdgeschoss waren Rapportführer (Appell und Häftlingsstand), Blockführer (verantwortlich für die einzelnen Wohnbaracken) und Postenführer (Bewachung des Lagers) untergebracht. Die Häftlinge betrachteten das Jourhaus als das Zentrum der SS-Herrschaft im Lager.


11 Appellplatz
Auf dem Appellplatz mussten sich die Häftlinge morgens und abends zum Zählappell aufstellen. Bei jedem Wetter waren sie gezwungen, etwa eine Stunde regungslos in militärischer Haltung zu verharren. Zeitweise mussten auch die Toten zum Abzählen auf den Appellplatz geschleppt werden.
Entsprach die Zahl der angetretenen Häftlinge nicht dem Häftlingsstand - etwa nach einem Fluchtversuch -, so konnte sich die Tortur über viele Stunden hinziehen. Immer wieder brachen kranke und geschwächte Häftlinge beim Appell zusammen. Keiner der Gefangenen durfte ihnen beistehen. Auf dem Appellplatz führte die SS vor den Augen aller Gefangenen Strafen durch.
In den letzten Monaten vor der Befreiung trafen große Gefangenentransporte in Dachau ein, die man zunächst auf den Appellplatz brachte. Viele der Kranken starben dort.


12 Wirtschaftsgebäude
Das Wirtschaftsgebäude wurde 1937/38 von den Gefangenen errichtet. Es diente der Versorgung des Häftlingslagers und enthielt Küche, Kleiderkammer, Bad, Wäscherei und Werkstätten. Im so genannten Schubraum (westlicher Gebäudeflügel) begann für die neu eingelieferten Häftlinge die entwürdigende Aufnahmeprozedur.
Auf dem Dach des Gebäudes war in großen Buchstaben der Spruch aufgemalt:
"Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Ehrlichkeit, Sauberkeit, Nüchternheit, Fleiß, Ordnung, Opfersinn, Wahrhaftigkeit, Liebe zum Vaterland."

 

13 Bunkerhof
Im Hof der 1937/38 errichteten Gebäude ließ die SS die Lagerstrafen "Bock" und "Pfahlhängen" durchführen und Hinrichtungen vollziehen.
Der Bunkerhof war Exekutionsort für sowjetische Kriegsgefangene, Widerstandskämpfer und Angehörige der SS, die zum Tode verurteilt worden waren.
Ab 1943 verlegte die SS Hinrichtungen vorwiegend in den Bereich des Krematoriums.
 


14 Bunker
Beim Bau des neuen Lagers 1937/38 ließ die SS von den Häftlingen ein neues Arrestgebäude errichten. Es wurde "Bunker" genannt. Die offizielle Bezeichnung lautete "Kommandatur-Arrest".
Der Bunker war ein zentraler Ort des Terrors. In seinen Zellen wurden Häftlinge wochen- oder monatelang eingesperrt, oftmals im Dunkeln und mit einer Ernährung, die noch geringer war als die im übrigen Lager. Im Bunker misshandelte und folterte die SS Gefangene. Ab 1944 wurden als zusätzliches Instrument der Folter Stehzellen eingebaut. Eine unbekannte Zahl von Häftlingen wurde im Bunker ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Ab 1941 brachte die Gestapo im Bunker auch prominente Sonderhäftlinge als Geiseln des Regimes unter. Ebenfalls 1941 wurde im linken Gebäudeflügel ein Straflager für Polizei- und SS-Angehörige eingerichtet.
Nach der Befreiung nutzte die amerikanische Militärregierung das Gebäude zur Internierung von NS-Tätern. Später war hier ein Militärgefängnis für Angehörige der US-Armee.


15 Lagerumzäunung
Das 1937/38 neu errichtete Häftlingslager war von einer Umzäunung umgeben, die jede Flucht unmöglich machen sollte. Von insgesamt sieben Türmen überwachten SS-Männer das Lagergelände. Sobald ein Häftling die Sperrzone betrat, wurde auf ihn geschossen. Manche Häftlinge liefen bewusst in den Grenzstreifen um ihrem Leiden ein Ende zu setzen.


17 Lagerstraße
Nach dem morgendlichen Vorappell in den Blockstraßen marschierten die Häftlinge auf der Lagerstraße zum Appellplatz. Nach der Arbeit und dem Abendappell kehrten sie geschlossen in ihre Unterkünfte zurück. Der "Geist der Lagerstraße", wie es die Häftlinge ausdrückten, war ein Symbol für die Solidarität unter den Gefangenen, die sich trotz der allgegenwärtigen Gewalt entwickelte. Die von Pappeln gesäumte Allee war der zentrale Treffpunkt der Häftlinge. In den wenigen freien Stunden konnten sie hier Kameraden aus anderen Baracken treffen und Informationen austauschen.


18 Krankenrevier
Das Krankenrevier wurde im Laufe des Krieges immer mehr ausgeweitet. In den Baracken A und B befanden sich die Verwaltung, Operationssäle, Ambulanzen und die Totenkammer. In den Blöcken 1, 3 und 5 führte die SS ab 1942 grausame medizinische Experimente an Häftlingen durch.
Dazu zählten Malaria-, Phlegmone-, Unterdruck- und Unterkühlungsversuche. Trotz der guten technischen Ausstattung der Krankenstationen war die ärztliche Versorgung der Häftlinge katastrophal. Es herrschte ein eklatanter Mangel an Medikamenten und Verbandsmaterial. Erst ab 1943 durften Häftlinge, die selbst Ärzte waren, ihre kranken Kameraden betreuen. Für alle Häftlinge, die nicht schnell geheilt werden konnten, war das Revier ein Ort des Sterbens.


19 Baracken
Beim Neubau des Lagers 1937/38 mussten die Häftlinge 34 Baracken errichten. Die ersten beiden Baracken links der Lagerstraße wurden im Laufe der Jahre für unterschiedliche Zwecke genutzt. So befanden sich dort u. a. die Kantine, die Lagerschreibstube, die Bücherei und das SS-Museum sowie Schulungsräume für das Häftlingspersonal und Produktionsstätten für die Rüstungsindustrie. Dahinter lagen die Unterkünfte der Häftlinge. Jede Baracke gliederte sich in vier so genannte Stuben, die aus einem Aufenthaltsraum und einem Schlafsaal bestanden. Die Unterkünfte waren für 200 Gefangene eingerichtet, gegen Kriegsende mit bis zu 2000 Häftlingen jedoch vollständig überfüllt. Rechts der Lagerstraße befand sich das Krankenrevier, das sich im Verlauf des Krieges immer mehr ausweitete. Dahinter lagen die Strafblöcke und die Quarantänebaracken für die neu ins Lager gekommenen Häftlinge.


20 Funktionsgebäude
Hinter den Wohnbaracken befand sich ein abgezäunter Bereich mit Produktionsstätten und Funktionsgebäuden. Dazu zählten zunächst eine Lagergärtnerei und Stallgebäude für eine Angorakaninchenzucht. Wolle und Felle der Zuchttiere dienten als Futter für Uniformen der Luftwaffe. Nachdem im Frühjahr 1943 eine Typhusepidemie ausgebrochen war, entstand ein Desinfektionsgebäude für die Kleidung der Gefangenen. Im Frühjahr 1944 richtete die SS die so genannte Sonderbaracke ein. Dies war ein Bordell, in dem weibliche Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück zur Prostitution gezwungen wurden.



21-1 Evangelische Versöhnungskirche
Auf Initiative von Überlebenden und unterstützt vom Weltkirchenrat errichtete die Evangelische Kirche Deutschlands die Versöhnungskirche. Der Architekt Helmut Striffler gestaltete das Gebäude mit Kirche und Gesprächsraum bewusst als Kontrapunkt zur symmetrischen, rechtwinkligen Architektur des ehemaligen Konzentrationslagers. Das Gotteshaus wurde am 30. April 1967 eingeweiht. Den Besuchern der Gedenkstätte bieten die Mitarbeiter der Versöhnungskirche Gespräche, pädagogische Betreuung und Veranstaltungen an.


21-2 Katholische Todesangst-Christi-Kapelle
Die Initiative für den Bau der katholischen Todesangst-Christi-Kapelle ging von dem ehemaligen Häftling und späteren Münchener Weihbischof Johannes Neuhäusler aus. Die Einweihung des Mahnmals, das der Architekt Josef Wiedemann entwarf, erfolgte im Rahmen des Eucharistischen Weltkongresses am 5. August 1960. Hinter der Kapelle fuhrt ein Weg durch einen ehemaligen Wachturm in das 1963/64 erbaute Karmel-Kloster.


21-3 Jüdische Gedenkstätte
Die jüdische Gedenkstätte entstand nach den Plänen des Architekten Hermann Zwi Guttmann. Die symbolhafte Architektur erinnert an die Ermordung der europäischen Juden. Einer Rampe ähnlich, führt der Weg ins Innere des Gebäudes. Ein Band aus hellem Marmor weist zu einer Öffnung im Dach und trägt den siebenarmigen Leuchter, die Menorah. Der Marmor stammt aus dem israelischen Ort Peki'in. Er symbolisiert die Kontinuität jüdischen Lebens. Die Einweihung der Gedenkstätte fand am 7. Mai 1967 statt.


22 Russisch-Orthodoxe Kapelle
Die Initiative zur Errichtung der Gedenkkapelle ging von den Leitungen der Russisch-Orthodoxen Kirche in Moskau und Deutschland sowie der Botschaft der russischen Föderation aus. Die Planung übernahm der Architekt Valentin Utkin. Im Sommer 1994 erbauten Angehörige der russischen Streitkräfte die Kapelle zum Gedenken an die sowjetischen Häftlinge, die im KZ Dachau ums Leben gekommen sind. Die Weihe fand am 29. April 1995 statt.


23 Der Krematoriumsbereich
Im Sommer 1940 ließ die SS ein Krematorium errichten, da die Zahl der Toten stark angestiegen war. Dieser Bereich lag außerhalb des Häftlingslagers und war nur über das SS-Lager zu erreichen. 1942/43 wurde ein zweites Gebäude mit einem größeren Krematorium und einer Gaskammer gebaut. Sie wurde allerdings nicht zur Massentötung benutzt. Im Krematoriumsbereich fanden aber Hinrichtungen und Mordaktionen statt.
Schon unmittelbar nach der Befreiung diente das Areal als Gedenkort. Mehrere Aschegräber wurden auf dem Gelände angelegt. Zahlreiche Mahnmale und eine friedhofsähnliche Gartengestaltung prägen bis heute den ehemaligen Krematoriumsbereich.


24 Altes Krematorium
Dieses Krematorium wurde im Sommer 1940 erbaut, nachdem mit dem Eintreffen der ausländischen Häftlinge die Sterblichkeit stark angestiegen war. Bereits im darauffolgenden Jahr reichte seine Kapazität nicht mehr aus. Das Krematorium war bis etwa April 1943 in Betrieb. In diesem Zeitraum wurden hier rund 11000 Häftlinge eingeäschert.


25 Großes Krematorium ("Baracke X")
 Das große Krematorium wurde vom Mai 1942 bis April 1943 errichtet. Es sollte als Tötungseinrichtung und zur Beseitigung der Toten dienen. Die Gaskammer in der Mitte des Gebäudes wurde allerdings nicht zum Massenmord benutzt. Überlebende haben jedoch bezeugt, dass die SS dort einzelne Häftlinge und kleinere Gruppen durch Giftgas ermordete.

Lüftungsklappen der Gaskammer
(25-1) Die Klappen sollten als Schüttöffnung zur Einleitung von Blausäure-Giftgas (Zyklon "B") in die dahinter liegende Gaskammer dienen.

Desinfektionskammern
(25-2) Die Kammern dienten zur Desinfektion von Kleidung durch Blausäure-Giftgas (Zyklon "B"). Eine Büchse mit Giftgas wurde ins Innere gelegt und nach Verschluss der Kammer geöffnet. Im Dachgeschoss befand sich über jeder Kammer ein Ventilator zur anschließenden Entlüftung.

Warteraum
(25-3) Hier sollten die Opfer über die Benutzung des angeblichen "Brausebads" informiert werden.

Auskleideraum
(25-4) Hier sollten die Opfer die Kleider ablegen und anschließend in die als "Brausebad" bezeichnete Gaskammer treten. Ihre Kleidung sollte zu den Desinfektionskammern gebracht werden, bevor eine neue Gruppe den Raum betreten konnte.

Gaskammer
(25-5) Hier befand sich das Zentrum des möglichen Massenmords. Der Raum wurde zur Tarnung als "Brausebad" bezeichnet und mit Duschköpfen ausgestattet, die Attrappen waren. Damit wollte man die Opfer irreführen und verhindern, dass sie sich weigerten, den Raum zu betreten. Bis zu 150 Menschen konnten gleichzeitig in einem Zeitraum von 15 bis 20 Minuten mit Blausäure-Giftgas (Zyklon "B") erstickt werden.

Totenkammer 1
(25-6) Hierher sollten die Ermordeten vor ihrer Einäscherung gebracht werden.

Verbrennungsraum
(25-7) In jedem der vier Verbrennungsöfen konnten gleichzeitig zwei bis drei Tote eingeäschert werden. Die Öfen waren durch einen unterirdischen Verbindungskanal ("Fuchs") mit dem Schornstein verbunden.

Hinrichtungsstätte
(25-8) Die meisten Hinrichtungen durch Erhängen wurden hier durchgeführt. Die Opfer wurden direkt vor den brennenden Öfen gehenkt.

Totenkammer 2
(25-9) Dieser Raum wurde zur Aufbewahrung der Leichen benutzt, die aus dem Häftlingslager zur Einäscherung gebracht wurden.


26 Aschegräber und Hinrichtungsstätte
Die Asche der in den Krematoriumsöfen verbrannten Leichen wurde in Gruben geschüttet. Nach der Befreiung wurden diese Orte als Grabstätten gekennzeichnet. Später errichtete man die Grabmale.
Hinrichtungen durch Genickschüsse fanden an einem Erdwall und in einem Graben statt. Im Herbst 1944 erschoss die SS dort 92 sowjetische Offiziere, Mitglieder einer Widerstandsorganisation.